Kultur-Import-Export

Spielzeiteröffnung in Düsseldorf mit einem süd- afrikanischen «Othello» und in Bochum mit einer re-importierten «Alkestis»

Theater heute - Logo

Zum Davonlaufen! Nicht die Inszenierung, die kann man sich beruhigt ansehen, nein, die Rolle. Wer will schon eine geliebte Frau ermorden? Schauspieler:innen haben es schwer, sie müssen Dinge tun, die sie nicht wollen. Und das «Nur-alsob» reicht nicht mehr zur Entschuldigung. Eigentlich sollte man Shakespeares «Othello» gar nicht mehr spielen, meint die weiße südafrikanische Regisseurin Lara Foot. Aber dann inszeniert sie es doch in Deutschland, im Düsseldorfer Schauspielhaus. Aber mit dem Schauspieler Bongile Mantsai in der Titelrolle.

In Südafrika ist er durch eine Reihe von Filmen ein Star. Die Besetzung des «Othello» mit einem dunkelhäutigen, afrikanischen Schauspieler scheint zunächst alle Probleme des Stücks zu lösen. Er ist ja nur das Opfer der rassistischen Gesellschaft Venedigs und der Intrigen Jagos.

Weiße Projektionsfigur

Aber es bleibt doch, dass er sich verführen lässt zu einer monströsen Tat, die kein zurechnungsfähiger Mensch unter welchen Umständen auch immer begehen würde. Der Rassismus klebt an der Figur und lässt sich nicht auf seine Umwelt abschieben. Peter Zadek hat das 1976 in seiner legendären Hamburger Inszenierung mit Ulrich Wildgruber souverän gezeigt: Im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 11 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Gerhard Preußer

Weitere Beiträge
Vom Tanzen und Sterben

Diese Situation kennt man vielleicht aus wirren Albträumen: Man hat eine Leiche am Hals, weiß nicht, woher sie kommt und ob man selbst für den Tod des Menschen verantwortlich ist. «Hitze» («La Chaleur»), der erfolgreiche Debütroman des Franzosen Victor Jestin (Jahrgang 1994), fängt mit einer ähnlich absurden Situation an: Der 17-jährige Léonard beobachtet den...

Fünf vor zwölf

Irgendwann steht Jens Harzer an der Rampe und erzählt Naturwissenschaftler-Witze. «Was soll man machen, wenn man ein hellgrünes Alien sieht? Warten, bis es reif ist.» Dann lacht er affek -tiert, und die Zuschauer:innen im Hamburger Thalia Theater lachen freundlich mit. Das gibt einen kleinen Hinweis darauf, wie viel das Publikum Robert Wilson zu vergeben bereit...

Männer im Zentrum des Zusammenbruchs

Schlechte Zeiten für Helden beim Spielzeitauftakt am Schauspiel Nürnberg. Don Karlos ist und bleibt der im politischen Familienkampf Unterlegene; Odysseus taugt nicht zum mutigen Vorbild: zwei Männer mithin, die in den Inszenierungen Opfer der Verhältnisse und auch der Frauen werden. Da können sie noch so auf Ehre und Moral pochen, mögen sich herausreden und ihre...