Kultur-Import-Export
Zum Davonlaufen! Nicht die Inszenierung, die kann man sich beruhigt ansehen, nein, die Rolle. Wer will schon eine geliebte Frau ermorden? Schauspieler:innen haben es schwer, sie müssen Dinge tun, die sie nicht wollen. Und das «Nur-alsob» reicht nicht mehr zur Entschuldigung. Eigentlich sollte man Shakespeares «Othello» gar nicht mehr spielen, meint die weiße südafrikanische Regisseurin Lara Foot. Aber dann inszeniert sie es doch in Deutschland, im Düsseldorfer Schauspielhaus. Aber mit dem Schauspieler Bongile Mantsai in der Titelrolle.
In Südafrika ist er durch eine Reihe von Filmen ein Star. Die Besetzung des «Othello» mit einem dunkelhäutigen, afrikanischen Schauspieler scheint zunächst alle Probleme des Stücks zu lösen. Er ist ja nur das Opfer der rassistischen Gesellschaft Venedigs und der Intrigen Jagos.
Weiße Projektionsfigur
Aber es bleibt doch, dass er sich verführen lässt zu einer monströsen Tat, die kein zurechnungsfähiger Mensch unter welchen Umständen auch immer begehen würde. Der Rassismus klebt an der Figur und lässt sich nicht auf seine Umwelt abschieben. Peter Zadek hat das 1976 in seiner legendären Hamburger Inszenierung mit Ulrich Wildgruber souverän gezeigt: Im ...
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Theater heute 11 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Gerhard Preußer
Vielleicht wirken sie zu stark, in ihrem trotzigen Durchhaltevermögen. Vielleicht sind sie zu leise geworden, weil sie so oft niemand verstanden hat. Vielleicht sind sie, die Kinder und Jugendlichen, aber auch Opfer uralter und mieser Erwachsenen-Reflexe: dem Reflex, junge Menschen nicht für voll zu nehmen; jugendliche Wut auf die Hormone zu schieben, statt auf die...
Er ermordet seinen Vater, verheiratet sich mit seiner Mutter, bringt als König die Seuche übers Land. An der Schuldfrage kommt Ödipus selbst so wenig vorbei wie alle, die sich mit seinem Drama beschäftigen, namentlich in der Ausformulierung durch Sophokles. Nicolas Stemann beantwortet sie ungefähr in der Mitte seiner Zürcher Inszenierung mit aller denkbaren...
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