Kuckucksnest Kosovo

Europa ist komplizierter als man denkt: Jeton und Blerta Neziraj aus Pristina legen sich in «Einer flog über das Kosovo-Theater» mit der Politik an

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Die Pediküre kann warten. Die Unabhängigkeit nicht.» Der Regisseur maßregelt eine Schauspielerin, die den nächsten Tag mit Kosmetik beginnen will. «Ab neun Uhr wird geprobt, es geht um nationale Interessen!» Ein neues Theaterstück soll entstehen, aus Anlass der Unabhängigkeit des Kosovo. Urplötzlich brach der Auftrag über die staatliche, aber seit Monaten nicht bezahlte Truppe herein – per Bote, direkt aus dem Ministerium für Sport (und Kultur). Die Regierung will ein patriotisches Stück, das aber trotzdem «modern» sein soll.

Darin eingeschlossen eine Rede des Premierministers, die direkt auf der Bühne verlesen wird um das Epos würdig abzuschließen. Dann ist er frei, der Kosovo. Und die Kunst?

Der Regisseur setzt sich gegenüber dem Staatssekretär in Szene und träumt von Poesie, National- und europäischer Hymne. Er sieht die Risiken der Unternehmung, aber auch die Chancen: Und wenn es gefällt? Wenn sich dadurch Türen öffnen nach Europa oder gar bis an den Broadway? Das wäre wie ein Lotteriegewinn, ist doch der Kosovo, wie sie in Pristina gebetsmühlenartig wiederholen, das einzige Land der Region, das weiter einem Visumzwang für die EU unterworfen bleibt. Doch es dauert nicht lange, ...

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Theater heute März 2013
Rubrik: Ausland: Kosovo, Seite 42
von Thomas Hahn

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