Das System lernt mit
Halten Sie auch die Finanzkrise für eine ganz schlimme Sache? Banken böse? Boni Teufelszeug? Und Hedgefonds für den Untergang des Abendlands? Dann sind Sie hier richtig!
In Basel, das zwar in Sachen Bankerdichte nicht mit Zürich konkurrieren kann und schon gar nicht mit Genf, das aber trotzdem alles andere als arm ist, hat sich Volker Lösch für Robert Harris’ Roman «Angst» entschieden.
Der Superheld in diesem Thriller ist nicht der Detektiv – ein liebenswert rustikaler Cop kurz vor der Pensionierung – und auch nicht die Hauptfigur, ein psychisch labiler ehemaliger Spitzenmathematiker vom Kernforschungszentrum CERN, der sich von der Teilchenphysik verabschiedet und lieber einen Hedgefonds gegründet hat. Sondern dessen diabolische Kreation, ein «selbstlernender Algorithmus», der die Aktienmärkte vorhersehen kann und märchenhafte Gewinne abwirft. Die eigentliche Kristallkugel der Rechenmaschine ist die Höhe der Angst, die gerade im Markt herrscht, denn je ängstlicher Menschen werden, desto vorhersehbarer reagieren sie, wie schon Darwin herausgefunden hatte.
Harris’ letzte Volte, die seine Story allerdings von der Fiction in die Fantasy verschiebt, ist dann die Emanzipation der ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Franz Wille
Alceste hat eine Portion üble Laune gefrühstückt. Jetzt kotzt er sich aus. Gründlich, wenn auch ohne Grund. Einen Anlass braucht Alceste nicht, prinzipielle Abscheu gegen Freund und Feind genügt völlig, nicht umsonst ist er als Molières «Menschenfeind» bekannt.
Michael Maertens hat für seinen Zürcher Alceste die Misanthropie in der Tat in sich hineingefressen....
Es beginnt mit einem Hochgeschwindigkeitsmonolog aus bunt, aber nicht absichtslos zusammengewürfelten Gedankensplittern, aufgelesen wohl bei einem Bummel durchs Münchner Museumsviertel, Namedropping à la Katalog oder was einem kunstinteressierten Auftragsautor beim Spazierengehen durch die fremde Gaststadt eben so ins Auge fällt. Da ist Cy Twomblys grandioser...
Breitbeinig harrt sie in ihrem Kerker aus. Johanna, das Trotzkind, verbannt in die Strafecke der Geschichte. Ihr Blick durchbohrt die Leere, sie ritzt einen Strich in den Unterarm, eine blutrote Zählung, Tag um Tag. Ihr Schopf: asymmetrisch geschoren. Selbst wenn das ihre Häscher waren, die Frisur passt zu ihr, der jugendlich Unangepassten, der Unbeugsamen, für die...
