Kreisläufe des Krieges
Da schließt sich der Kreis: ausweglos wie die Teufelskreise aus Gewalt und Rache, die sich schon zu Beginn der europäischen Kultur drehten und die den Krieg, damals den Trojanischen und in der Folge zahllose weitere, zu einem Ur-Motor von Mythos und Geschichte machten: Eine brutale Logik der Verkettung von Interessen und Begehrlichkeiten. Agamemnon, Kriegsherr und Vater, opfert seine Tochter Iphigenie, um von der Göttin Artemis günstigen Wind für die griechischen Flotte gegen Troja zu erwirken.
Aischylos, der früheste der griechischen Tragödiendichter, schreibt davon und vom (Rache-)Mord am heimkehrenden Sieger durch seine Frau Klytämnestra und deren Liebhaber Ägisth im ersten Teil seiner «Orestie», mit der er die Dionysien im Jahr 458 v. Chr. gewinnt und die antike Dramatik begründet.
Immer wieder wurde diese Urszene beschworen, und nun haben sich das Athens Epidaurus Festival und das Münchner Residenztheater gemeinsam für eine Wiederaufführung gerüstet, in einer Zeit, in der wir uns wieder von Kriegen umgeben sehen, die einer unerbittlichen Gewaltlogik folgen. Und da schließt sich dann tatsächlich ein Bogen, wenn Regisseur Ulrich Rasche, der unermüdliche Kreisläufer des letzten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Silvia Stammen
Treffen sich vier Avatare. Und reden, darüber, was eben so ansteht in der virtuellen Realität: das eigene Aussehen. Der Kapitalismus. Oder wer eigentlich «Kiuri» (Sylvana Seddig) ist, ein Wesen, das anscheinend eine Funktion hat in diesem Metaversum namens «No Horizon». Gesichert ist, dass Kiuri die Musik komponiert hat, die einen leise umsummt (in Wahrheit stammt...
Was hat ein Himbeertörtchen mit dem Weltuntergang zu tun? Mit der Zerstörung der Erde durch die Achtlosigkeit des Menschen? Was mit der Selbstgewissheit der Sonne als allmächtigem, mythischem, unerbittlich brennendem, hoch energetischem Fixstern? Was mit dessen absolutistischem Einfluss auf Gedeih und Verderb von allem, was wächst?
In der ersten Szene von Charlotte...
Dass Brecht sich 1947/48 in Zürich für die junge Schauspielerin Regine Lutz interessierte, die ihm als seltsam verhuschte Erscheinung in Gorkis «Wassa Schelesnowa» aufgefallen war, verblüffte die Kollegen am Schauspielhaus. Die aus Basel stammende Elevin hätte viel lieber die lasterhaftere der beiden Töchter Wassas gespielt und hatte deshalb in die vom Regisseur...
