Krankheit mit Kalkül
Eine spielt hübsch versonnen auf ihrem Xylophon, eine andere hat sich Klamotten in die Klamotten gestopft und hüpft wie ein verbeulter Teddybär über die Bühne. Einer im Anzug bekommt einen leichten epileptischen Anfall. Jemand versucht, einen Mohrenkopf in den Mund zu bugsieren, trifft aber die Stirn. Ein Panoptikum geistig Behinderter, Autisten, Spastiker. Doch irgendwas stimmt nicht damit, wie die Dinge nicht stimmen. Irgendwas ist nicht normal an dieser Anomalität. Das kommt so wenig von innen heraus, das sendet so weit. Das will so sehr gefallen.
Das arbeitet so angestrengt, das ist so viel Schauspiel.
Andreas Kriegenburgs Versuch, Lars von Triers Film «Idioten» auf die Studiobühne Schmidtstraße des Frankfurter Schauspiels zu bringen, trifft von Anfang an falsche Töne. Die Suche nach dem «inneren Idioten», von dem immer wieder die Rede ist, gibt es hier nicht. Hier gibt es nur äußerliche Idioten. Effekt und Distanz.
Natürlich ist es auch in von Triers Film eine künstliche Authentizität, die uns in ihren Bann zieht. Ein Trick. Aber mit seiner vorgeblichen Spontaneität, mit seiner technischen Nacktheit erzeugte «Idioten» mehr als die anderen Dogma-Filme eine tiefe Irritation. Je ...
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Die Cinemascope-Kiste steht wie ein zu groß geratenes, dummerweise aber leeres Weihnachtsgeschenk auf der Bühne. Das passt insofern, als die Spielzeit sich bereits der Halbzeit und das Theater jener Form der Entspannung nähert, die sich immer dann einstellt, wenn der Betrieb zwischen den Jahren nicht mehr unbedingt auf Hochtouren läuft. Betrachtet man es so, könnte...
Ein Motel irgendwo im amerikanischen Niemandsland. Hier treffen sich Glücksritter und Gelegenheitsarbeiter, die auf dem Fall durch die losen Maschen des sozialen Netzes schon ziemlich weit unten angelangt sind. Ein Limbus für gestrandete Existenzen, dessen schäbige Trostlosigkeit die letzten Überlebenskräfte mobilisiert, um aus dem natürlichen Abwärtstrend noch...
Der Mann ist tot. Ganz überwiegend jedenfalls. Das Gesicht zerschunden, der Brustkorb starr, Arme und Beine regungslos, liegt er aufgebahrt im blendenden Weiß eines Krankenhauses. Trotzdem: Es gibt so Typen, die können ihre Klappe nicht halten. Und Jaecki Zucker zählt dazu. Da ist es auch egal, dass er tot ist – Zucker muss noch einiges loswerden. Vor allem über...
