Ernst und unpathetisch

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Peter Palitzsch, gestorben mit 86 Jahren, war auf eine entschlossen bescheidene Weise nur er selbst; und dennoch verkörperte sich in ihm die Idee eines bedeutenden, ernsten deutschen Theaters. Das wäre ein Theater, das sich selbst ernst nimmt – noch ernster aber die Anderen: das Publikum eines Abends, die Bewohner einer Stadt, die Bürger unseres Landes und, ja, die leidenden und die Leid verursachenden Menschen auf der Welt. Sein Verhältnis zu dieser Idee von ernsthaftem, verpflichtetem Theater war ganz unpathetisch.

 Er hat ihm mit Deutlichkeit, aber ohne Aufhebens sein Leben zur Verfügung gestellt. Asketisch, aber nie unfreundlich: So war sein Aussehen, so sein Verhältnis zu Mitarbeitern, zu Büchern, zu Ideen, zu sich selbst.

Brechts Lehre von der Verfremdung hatte er aufgenommen; aber die Haltung seiner gewichtigsten, denkwürdigsten eigenen Inszenierungen war nicht «episch», sondern «dramatisch»: den realen Spannungen zwischen Menschen zugewandt. Sein Realismus bestand nicht (wie damals oft) in der Häufung von Teetassen und Zigaretten, im laschen Geplauder mit vorgeplanten Pointen – sondern im Wegstreichen alles Nebensächlichen, im Herausarbeiten des Starken und Notwendigen jeder ...

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Theater heute Februar 2005
Rubrik: Peter Palitzsch 1919–2004, Seite 15
von Ivan Nagel

Vergriffen
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