Die kursive Frau

Katja Reinke ist seit 1996 im Ensemble des Theaters Basel: Portrait einer «Projektschauspielerin», die langsam in die großen Rollen wächst und schnell ihr Alter wechselt

Theater heute - Logo

Ihre Stimme kann komische Sachen machen. Auf dem Tonband unseres Gesprächs ist sie oft sehr leise. Nur wenn sie lacht, wird’s laut. Auf der Bühne aber hat Katja Reinke Stimmen zur Verfügung, die sie wie die Register einer Orgel zieht und überlagert. Fast unheimlich verwischt sie dabei akustisch ihr Alter. Am Telefon hätte man wenig Chancen, Reinke zu verorten. Kann ich bitte mal die Mama sprechen? Pardon, ich meinte ihre Tochter. Mal klingt’s quengelig wie eine Göre. Wenn’s sein muss, auch wie eine Puppe.

Doch auf einmal raspelt da eine Greisin an den Stimmbändern – so unforciert, dass man den neuen Ton noch kaum als Zeichen wahrnehmen will –, bevor ein feiner Samt wieder soziale Sicherheit, ja geschmeidige Bürgerlichkeit in den besten Jahren anzeigt. 

Reinke ist Anfang vierzig, von schmalem Körperbau und klingt manchmal wie ein deutlich älteres Kind, manchmal wie eine deutlich jüngere Dame. Die seltsamste Schauspielerin im Ensemble des Theaters Basel intoniert jeweils so polyphon wie ihre Rollen scheinbar verschieden sind. Gerade jetzt, wenn sie nach längerer Krankheit zurückkehrt und anders besetzt wird als in den Jahren zuvor. Aus der schrägen, musikalischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2005
Rubrik: Portrait, Seite 28
von Tobi Müller

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das letzte Einhorn

Erinnern und sich erinnern, das sind zwei Begriffe, aktiv und passiv, die ebenso schmerzhaft wie schön sein können, denn sie haben mit Zeit zu tun, Zeit, die vergangen ist, zwar nie verloren, sondern gewonnen aus Beschwörung und Mühe, und doch immer näher dem Ende zu, dem Tod, unser aller Tod, den jeder allein leisten muss, gleichgültig sein Rang, selbst sein...

Der radiophone Nachdenker

Seine Stücke handeln von Tanz- und Truppenbewegungen, sein Personal nennt sich «Sweethearts of Rhythm», «Golfkrieg Girls & Boys» oder «Die Einzigen Zeugen», und seine Hörspiele heißen «Schrei (wenn du kannst)», «ich auf der tretmine» oder «die Idee der Strafe». Der 1963 geborene Frankfurter Autor und Musiker Albrecht Kunze arbeitet an der Demarkationslinie von...

Fun ist ein Schaumbad

Vier Tage vor der Premiere sprach der ehemals wilde Mann ein zu Herzen gehendes Wort zum Sonntag. Der «fünffache Papa» Frank Castorf, lange nach eigenem Bekunden im «Tagesspiegel»-Gespräch ein «Rabenvater», erwähnte sein «wachsendes Bedürfnis, sich zu verändern». Hat er etwa deshalb jetzt sein erstes Märchen inszeniert und gar nicht, um den Autor Hans Christian...