Komfortables Unrecht
Langsam kommt sie in Fahrt, die neue Direktion Stefan Bachmann an der Burg. Und «langsam», das bedeutet auch, dass sie mit Inszenierungen punktet, die sich Zeit nehmen. «Nur ned hudeln», heißt es in Wien, nichts überstürzen. Mit dieser Devise fahren beide ausgezeichnet: die slowenische Regisseurin Mateja Koležnik, die sich im Akademietheater Nikolai Gogols Verwechslungskomödie «Der Revisor» angenommen hat, und Philipp Stölzl, der im großen Haus einen traumhaft traurigen «Liliom» von Ferenc Molnár zeigt.
Der «Liliom»-Abend versammelt eine Reihe von Premieren: Zuallererst handelt es sich um Stölzls Burgtheater-Debüt als Regisseur und sein eigener Bühnenbildner. In der Titelrolle ist Stefanie Reinsperger zu sehen. Sie brillierte vor etwa zehn Jahren in zwei Inszenierungen im Akademietheater (beide waren damals zum Theatertreffen eingeladen), bevor sie erst ans Wiener Volkstheater und dann ans Berliner Ensemble ging. Nun kehrt sie wieder an die Burg zurück.
Neu ist schließlich auch die Übersetzung. Bisher kannte man Molnárs 1909 uraufgeführtes Drama in der nach Wien verlegten Fassung von Alfred Polgar. Die Geschichte vom unwiderstehlichen Jahrmarkt-Ranschmeißer Liliom, der seine ...
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Theater heute Februar 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Martin Thomas Pesl
«Draußen vor der Tür» boomt auf deutschen Bühnen. Angesichts der Weltlage kein Wunder. Ein Stück, dessen Qualitäten auch im Authen -tischen liegen, weil sein Autor Wolfgang Borchert im Zweiten Weltkrieg selbst als Soldat an die Front musste, und dann 1947 seinen kriegsbedingten körperlichen Leiden 26-jährig erlag. «Draußen vor der Tür» ist das Stück eines sensiblen...
Der Balkan ist eine kleine Region», erklärt Aurela Kadriu, Produzentin und Kuratorin der kosovarischen Plattform Qendra Multimedia. «Es gibt nur wenig Austausch zwischen den Theatermacher:innen, obwohl unsere gesellschaftlichen Entwicklungen und Probleme ähnlich sind und wir auf der Bühne die gleichen Themen verhandeln.»
Das ist einer der Gründe, weshalb Qendra...
New York, 1975. Die verlassenen, verfallenden Docks am Ufer des Hudson River sind schwule Cruisingzone und üben auch auf Künstlerinnen und Künstler starke Anziehungskraft aus. Mazlum Nergiz hat die Gegend zum Schauplatz seines neuen Stücks «Am Fluss» gemacht. Die urbane Flusslandschaft macht es möglich, verschiedene Themen und Zeiten zusammenzubringen. Zitat: «Wenn...
