Kneift mich mal
15. Mai 2025. Kneift mich mal! Es ist doch nicht zu glauben. – Auch jetzt noch nicht, am Tag danach, auf der Rückfahrt von Mülheim an der Ruhr, im Regionalzug irgendwo hinter Cottbus. Mitten im Wald hält er, dort, wo die Strecke auf wenigen hundert Metern zweigleisig verläuft. Wir warten am roten Signal. Mein Blick fällt in die von der Abendsonne beschienenen Kiefern, Stämme in schimmerndem Rot, über das rhythmisch die Schatten der Rotorblätter eines Windrads schlagen. Warten, um den Gegenverkehr passieren zu lassen. Hier braucht man Zeit. Geduld.
Ich nehme das Telefon und filme – das Nichts zwischen den Stämmen. Und Lukas kommentiert: «Wenn du lange genug draufhältst, kommt noch ein Wolf irgendwann!» Der Zug ruckt an. Wir sind bald zu Hause.
Kneift mich mal. Lukas heißt Lukas Rietzschel. In unserem Auftrag hat er ein Theaterstück geschrieben. Keine vierundzwanzig Stunden ist es her, da antwortet er auf die Frage, wie der Auftrag gelautet habe: «Schreib uns ein Stück, mit dem wir nach Mülheim kommen.» Was mussten wir lachen. Vor Stolz. Vor Freude. Ach, wenn es so einfach wäre. «Wir sind ja nur ein kleines Popeltheater», meint Lukas dann noch. Wir, das ist ein Theater ganz im Osten ...
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Theater heute Juli 2025
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Martin Stefke
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