Ein immer noch sehr junges Land
Was würden wir tun, wenn wir der Bestie gegenüberstünden?», fragt das Programmheft des litauischen Showcase TheAtrium.
Würden wir gemeinsam kämpfen, «wie ein einziger Organismus», oder uns vielleicht doch lieber einfach totstellen? Und was, wenn wir entdecken würden, dass die Bestie kein äußerer Feind, sondern das Verdrängte in uns selber ist – etwas, das sich unter einer erschreckend «dünnen Schicht Menschlichkeit und Zivilisation versteckt hatte und sich plötzlich Bahn bricht»?
Angesichts der exponierten geostrategischen Lage des nur knapp 3 Millionen Menschen starken Landes Litauen liegt natürlich der Gedanke nahe, «To Meet The Beast», das Festivalmotto, als Ausdruck der tiefen Sorge vor einem russischen Überfall zu lesen. Die gemeinsame Grenze mit dem westlichen NATO-Partner Polen ist ganze 70 Kilometer lang. Das gefährdet auch die militärischen Nachschubwege. Gerade hatte die litauische Regierung bei ihren Theatern nachgefragt, was sie zur kulturellen Unterstützung der nun dauerhaft in Litauen stationierten deutschen Soldaten beitragen können, berichtet Tomas Juocys, der Intendant des Stadttheaters in Klaipeda. «Es geht bei unserem Festival aber nicht in erster Linie um ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2025
Rubrik: Festivals, Seite 45
von Anja Quickert
Wo gerade in allen Tunneln mal wieder so gar kein Licht scheinen mag, die Sparziele der Kulturpolitik immer hemmungsloser werden und Zuschauerreihen nach wie vor nicht ganz so dicht gefüllt sind, wirkt es wie eine Art offensive Themaverfehlung: Einfach mal nicht die Krisenherde der Welt auf dem Schirm haben, nicht Relevanz heischend die neuesten Debatten umgraben,...
Guten Abend liebes Publikum, liebe Theaterkolleg:innen, liebe Jury, liebe Gastgeber:innen, guten Abend liebe Sivan und herzlich willkommen zu der Verleihung des Mülheimer Dramatikpreises 2024 an die Autorin Sivan Ben Yishai für ihr Stück «Nora oder Wie man das Herrenhaus kompostiert».
Wie einigen von Ihnen schon aufgefallen ist, bin ich deutlich jünger und...
Mit 24 war ich Theaterkritiker und mal sechs Monate lang in einem vierteiligen System gefangen. Ich hatte es mir selbst ausgedacht, auf der Basis einiger Gesangsfragmente aus dem Hölderlin-Sammelband meiner Mutter. Keller – Ebene – Gipfel – Sturz. Und dann wieder Keller. Es war also ein geschlossenes System, kreis- oder bestenfalls spiralförmig. Ich war darin zu...
