Knechte
Figuren
Protagonisten: Aslan Özgür Kevin Jeremy Falk
Stumme Figuren: (für die stummen Figuren ist keine Besetzung nötig)
Speckwanze Amsel Amselküken 1 Amselküken 2 Frau Aster
Ort
Das Stück spielt in einer Justizvollzugsanstalt.
Nebentext
Mit ihm kann frei umgegangen werden.
I Im Hof
Im Gefängnishof gehen Kevin, Jeremy, Özgür und Aslan ihre Runden. Abseits hopst eine Amsel. Für sie ist egal, ob sie innerhalb oder außerhalb der Mauern nach Würmern sucht.
Özgür Zeig es uns, Aslan!
Jeremy Ja, zeig es, Mann!
Özgür Yallah!
Aslan Nein Mann, ich geniere mich.
Özgür Was? Aslan, mein Löwe, spuck das Wörterbuch wieder aus und zeig uns, was du drauf hast!
Aslan Das Wort hab ich von dir, Özgür. Genieren.
Özgür Zu dir passt es aber nicht.
Kevin Komm schon, Aslan, die Ladys wollen sehen, was du drauf hast!
Aslan Ladys? Schön wär's. Seht euch doch mal um. Nur Beamtinnen. Die dich wegsperren.
Kevin Du sagst es.
Jeremy Stichwort, Jungs, dahinten steht sie.
Kevin Die Speckwanze!
Alle lachen. Die Speckwanze steht am Rande des Gefängnishofs, betrachtet das Geschehen.
Aslan Die Speckwanze.
Kevin Sie kommt eines Nachts in deine Zelle und spritzt ihr Gift in dich, dann walzt sie dich ...
CAREN JESS, geboren 1985 in Eckernförde, studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Musik in Flensburg, Freiburg und Berlin, wo sie außerdem eine private Schauspielschule besuchte und mit einem Master in Literaturwissenschaft abschloss. 2020 gewann sie mit «Der Popper» den Else-Lasker-Schüler-Preis, 2021 war sie mir «Bookpink» zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Sie lebt in Dresden.
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Theater heute April 2022
Rubrik: Das Stück, Seite 99
von Caren Jeß
Sonntag, 6 März. Heute ist der elfte Tag, seit Russland den Krieg gegen mein Land begonnen hat. Nicht «Eska -lation des Konflikts» oder «Verschärfung der Ukraine-Krise», nicht «Entfesselung einer speziellen Militäroperation», sondern Krieg. Es ist schwer zu glauben, dass ein solch unerträglicher, absurder, grober und unaussprechlicher Akt der Aggression im 21....
Vor einem Jahr ging die Beziehung mit dem Menschen, den ich liebe und den ich noch immer über alles liebe, in die Brüche. Das ganze letzte Jahr war ich nur damit beschäftigt gewesen, zu leiden und meinen Gesundheitszustand zu bedauern. Das war eine schleichende und langwierige Depression. Im Dezember jenes Jahres begriff ich, dass ich psychotherapeutische Hilfe...
«Imagine», flackert es über die Hinterwand der leeren schwarzen Bühne im Container des Gorki Theaters. Stell dir vor, was kaum vorstellbar ist für uns, gut verwurzelt im sicheren Zuschauerraum, stell dir Krieg vor, Flucht, Fremdheit, Wurzellosigkeit. Das sind die Themen, die Rasha Abbas, 1984 in Damaskus geboren und seit 2014 in Deutschland lebend, in ihren 21...
