Schwarz und Weiß
Sonntag, 6 März. Heute ist der elfte Tag, seit Russland den Krieg gegen mein Land begonnen hat. Nicht «Eska -lation des Konflikts» oder «Verschärfung der Ukraine-Krise», nicht «Entfesselung einer speziellen Militäroperation», sondern Krieg. Es ist schwer zu glauben, dass ein solch unerträglicher, absurder, grober und unaussprechlicher Akt der Aggression im 21. Jahrhundert auftritt, hier, in einer Welt mit Genfer Konvention und modernem Strafverfolgungssystem; in einer Welt nach Guernica und den Gedichten von Celan.
Aber hier ist es – viel gewalttätiger und verrückter als jedes Stück, das man sich vorstellen kann.
Vor fünf Minuten, als ich diesen kurzen Aufsatz schrieb, erhielt ich über den offiziellen Kanal unseres Präsidenten die Nachricht, dass der Flughafen in Vinnitsia zerstört worden war. In einem Moment erinnerte ich mich an ein Bild: Das ist die Stadt, in der ich vor vier Jahren am Gogolfest, einem Kunst- und Theaterfestival, teilnahm und eine deutschukrainisch-britische Koproduktion, «Tranzyt», und eine Aufführung des Künstlertheaters Berlin sah. Damals arbeitete ich für die ukrainische Theaterzeitschrift und war ein aktives Mitglied der Theaterwelt, die jetzt, in mehrere ...
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Theater heute April 2022
Rubrik: Krieg in der Ukraine, Seite 10
von Lena Myhashko
Am Dienstag, dem 23. November 2021, drei Tage nach der Premiere von «Dziady» («Totenfeier») nach dem Drama von Adam Mickiewicz in der Regie von Maja Kleczewska, stürzten alle Server des Juliusz-Słowacki-Theaters in Krakau ab. Weder konnte man die Karten online kaufen, noch die Info-Hotline oder die Theaterkasse telefonisch erreichen. Ausgelöst wurde die Panne durch...
Mein Leben mit dem Theater begann im März 1970, als ich in einer Schülergruppe bei den Städtischen Bühnen Münster mitarbeitete. Wir spielten die Fußball-Fans in Peter Tersons «Zicke-Zacke», einem Stück, das damals bundesweit Erfolge feierte. Die Deutsche Erstauf -führung hatte Hans Neuenfels in Heidelberg inszeniert. Es handelte von Gewalt unter den gegnerischen...
Als nekrophile Misogynie hat Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen unser kulturgeschichtliches Tamtam um verblichene Frauen -figuren einmal bezeichnet: also als einen Frauenhass, der die Tote liebt. Und was zunächst nach einer eher speziellen psychischen Störung klingt, ist doch mindestens ein wiederkehrendes Motiv, wenn nicht gar stabiles Standbein der...
