Bremen: Spuklustschloss am Fjord
Ein Geist geht um auf Rosmersholm. Das ist nicht allzu bemerkenswert, ist doch die in den Alltag drängende Vergangenheit die Grundidee von Henrik Ibsens «Rosmersholm»: Hausherrin Beate belastet nach ihrem Suizid das sorgenfreie Weiterleben ihres Witwers Johannes (und nicht zuletzt seine Romanze mit ihrer ehemaligen Pflegerin Rebekka).
Aber in Armin Petras’ Inszenierung am Theater Bremen geistert Beate nicht nur durch die Dialoge, sie hängt tatsächlich auf der Bühne, als wässrig-weißer Leib in der Verkörperung durch Lisa Guth, der zunächst in einer Pfütze am Szenenrand liegt (Beate hatte sich im Mühlbach ertränkt!), später stumm und beunruhigend zuckt. «Rosmersholm» ist bei Petras waschechter Gothic Horror, und damit das auch klar wird, hat er dem Titel ein «Schloss» vorangestellt. Ein Spukschloss steht am Fjord, buh!
Ibsens 1886 entstandenes Drama wird heute nur noch selten aufgeführt, während der vergangenen Monate erlebte das Stück allerdings eine kleine Renaissance, unter anderem im nahen Kiel. Der dortige Intendant Daniel Karasek hob das Drama verhältnismäßig brav in die Gegenwart; der politische Gehalt (Johannes Rosmer hat unter dem Einfluss Rebekkas seinen Konservatismus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2020
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Falk Schreiber
Keine untergehende Berufsgruppe, Partei oder Gesellschaft, die sich nicht wunderbar in der Eigentümerin des «Kirschgartens» spiegeln ließe! Zwar ist die Ranjewskaja mehr als pleite, aber eben auch reich gesegnet mit der Grundarroganz verarmter Aristokraten. Dass ihr Gut versteigert wird, steht zwar unmittelbar bevor, kann aber dessen ungeachtet eigentlich gar nicht...
Was wünsche ich mir für das Theater in diesem neuen Jahrzehnt? Foyers, die lichtdurchflutet sind, wären gut. Mit geöffneten Fenstern und Schlingpflanzen, besonders im Sommer. Was noch? Dass es am Ende dieses Jahrzehnts selbstverständlich geworden sein wird, dass die Spieler*innen beim Applaus die Bühne mit den Mitarbeiter*innen von Ton, Licht, Video, Technik,...
Dass das Individuum und seine Lebensführung in der Spätmoderne in eine grundsätzliche Krise geraten sind, ist ein verbreitetes Thema der kulturkritischen Debatte der Gegenwart. Das, was Alain Ehrenberg das «erschöpfte Selbst» nannte, wird in diesem Zusammenhang allenthalben beklagt.(1) Risiken der Überforderung und Überanstrengung scheinen das spätmoderne Subjekt...
