Spiraldramaturgien

Sivan Ben Yishai «Oder: Du verdienst deinen Krieg (Eight Soldiers Moonsick)» und «geteilt» von Maria Milisavljevic in Berlin und in Göttingen

An zwei Stellen unterbricht plötzlich ein Formular der Armee den Text. Beim ersten Mal ist es ein Dokument der Gegenstände (Bett, kugelsichere Weste, Feldgeschirr etc.), die einer Soldatin zur Einberufung ausgehändigt werden. Beim zweiten Mal der Untersuchungsbericht eines Mi­litärgerichts: Bei einer nächtlichen Überfalls­übung hat eine Soldatin sich unzulässigerweise mehr als drei Meter von ihrer ordnungsgemäß unter der Matratze gelagerten Waffe entfernt und ist im Pyjama durchs Lager geirrt.

Beide Male schummeln sich Sätze aufs offizielle Papier, die eigentlich nicht hierher gehören: die Erinnerung an Papas Luftgitarrenkünste bei Dire Straits «Money for nothing» sowie der Satz: «Oder: Die einzige Form, mit der ich mich identifiziere (…) ist eine Spirale.»

Tatsächlich bohrt sich die israelische Drama­tikerin Sivan Ben Yishai in «Oder: Du verdienst deinen Krieg (Eight Soldiers Moonsick)» gerade­zu spiralförmig in ihr Thema, den Wehrdienst für Frauen in Israel. Verblüffend poetisch und körpernah ist dieser Text über die brutale Initia­tion junger Frauen im Land mit dem größten Pro-Kopf-Militäretat der Welt, in dem sie zwei (Männer drei) Jahre Wehrdienst leisten müssen und ...

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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 25
von Eva Behrendt