Kleine Gaukelei
Einmal, da zieht sich Harpagon mit seinem Sohn in die Luxuslimousine zurück, die den auf die Bühne gebauten Autosalon dominiert, und erinnert sich an seine Kindheit: wie sein Vater früher mit der Familie in den Italienurlaub kurvte, den halben Verkehr niederpöbelte und hin und wieder dem Sohn das Knie tätschelte. Und er, der Knabe, konnte sich gerade noch rechtzeitig die «Kotzschüssel» geben lassen.
Am Ende dieser intimen Erzählung steigt Harpagons Sohn aus dem Wagen aus und trägt nun selbst eine ebensolche «Kotzschüssel» zur Bühnenrampe, kokettiert kurz damit, sie ins Publikum schwappen zu lassen – und schüttet sie dann tatsächlich über den Köpfen der Zuschauer aus. Und es rieselt: Konfetti.
Konfetti ist der Inbegriff des ironischen Theaterzeichens, Ausweis einer kindischen Fröhlichkeit, die sich zugleich ihrer Künstlichkeit bewusst ist. Konfetti signalisiert das uneigentlich Heitere. Katrin Brack ließ es einmal abendfüllend regnen, für Molières «Tartuffe» in einer Inszenierung von Dimiter Gotscheff. Aber so groß nimmt sich dieses Zitat heute Abend nicht aus. Hier, in Molières «Der Geizige», sind die Schnipsel eher der Stoff für kleine Gaukelei.
Eidinger goes Guildo Horn
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Theater heute Mai 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Christian Rakow
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