Geborgte Leben

Patricia Highsmiths «Der talentierte Mr. Ripley» mit Simon Werdelis und die Uraufführung von «Taras Augen» nach Katharina Bendixen am Staatsschauspiel Dresden

Theater heute - Logo

Manchmal ist alles eine Frage der Optik. Wie diese Jacke, die sich Simon Werdelis umständlich anzieht. Erst über den einen Arm, dann über den anderen, ohne Handeinsatz, lediglich mit Wippen und Schaukeln des eigenen Körper. Das beige Jackett passt perfekt zu Hemd und Hose, doch kaum hat er es nach einigen Minuten wortlosem Körperspiel vor dem Eisernen Vorhang über -geworfen, fliegt es schon wieder davon. Ein anderes muss her, weniger gewöhnlich. Er fischt es aus der Seitenloge – und jetzt ist er endlich wer, trägt es doch die Insignien einer Elite-Hochschule.

Kleider machen Leute, und Tom Ripley bekommt in diesem neuen Outfit einen Job. Er darf auf Kosten des alten Reedermoguls Herbert Greenleaf (Hans-Werner Leupelt) nach Europa fahren, um dort in Italien den Sohnemann Richard, genannt Dickie (Jakob Fließ), davon zu überzeugen, nach New York zurückzukehren und die Geschäfte zu übernehmen.

Italien liegt hinter dem Eisernen und Dickie zusammen mit seiner Geliebten Marge Sherwood (Josephine Tancke) am Strand. Zu ihnen schleicht Werdelis geradezu schüchtern mit seinem Koffer. Tastend, simulierend, aber selten wirklich souverän, so sieht Werdelis seinen Ripley. Ein Schwamm, der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Torben Ibs

Weitere Beiträge
Überwachung und Strafe

Um auch mal mit etwas Positivem anzufangen: Man muss sie längst nicht mehr suchen, die Pionierinnen haben ganze Arbeit geleistet, und Parität scheint in greifbare Nähe gerückt. So wie vielerorts haben in München derzeit Frauen die Regie in der Hand und das in Jette Steckels Adaption von Michail Bulgakows Kultroman «Meister und Mar -garita» im Schauspielhaus der...

An den Gelenken der Geschichte

Weltliteratur, drunter gehts nicht bei Armin Petras. Lange schon adaptiert der Regisseur und auch als Fritz Kater bekannte Dramatiker große Romane. John Steinbecks «Früchte des Zorns» etwa, oder Günter Grass’ «Blechtrommel», Jonathan Littells «Die Wohlgesinnten», David Grossmans «Eine Frau flieht vor eine Nachricht» oder Wassili Grossmans «Leben und Schicksal»....

Versöhnung? Nein danke

Finde den Fehler: Vater tötet Tochter, Ehefrau tötet ihn, Sohn tötet sie und dann, bei 2:1, soll Schluss sein mit der Gewalt – im Namen der Demokratie. Hier, an der Frage Versöhnung versus Gerechtigkeit, setzt die Kölner «Orestie» der australischen Regis -seurin Adena Jacobs an. Zwar flankieren zwei Gerichtsbänke die schwarzgraue, fel -sige Bühne von Eugyeene Teh....