«Klar, dass wir wieder alles versauen!»
Für die Theater waren die Corona-Lock- downs 2020 und 2021 eine traumatische Erfahrung. Für das Ökosystem weniger: Nur kurze Zeit standen Fabriken, Verkehrsmittel und öffentliches Leben still, und schon schien sich die Natur vom Einfluss des Menschen zu erholen, schon verzog sich der Smog, und die Verschmutzung der Ozeane ging spürbar zurück.
Diese Erkenntnis ist die Basis für das Stück «Der lange Schlaf» des australischen Dramatikers Finegan Kruckemeyer: Wenn der Mensch eine Weile keinen Einfluss auf die Natur nehmen, quasi in Winterschlaf treten würde, dann ließe sich womöglich der bevorstehende Ökozid verhindern?
Ausführlich beschreibt Kruckemeyer die Vorbereitungen für die einjährige Auszeit, ange -siedelt im Jahr 2030: In der australischen Hauptstadt Canberra diskutiert die Regierungsberaterin Emily Metcalfe (Sandra Gerling) mit dem Journalisten Mark (Matti Krause), ob es ethisch vertretbar sei, die Weltbevölkerung (teils gegen deren Willen) in Tiefschlaf zu versetzen. In Los Angeles wird das Geschehen in einer Fernsehshow kommentiert. In Lagos, Bogotá und im tadschikischen Duschanbe haben sich unterschiedliche Familienkonstallationen («Der lange Schlaf» liefert wie nebenbei ...
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Theater heute März 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Falk Schreiber
«Wo steht unser Mandelbaum?», fragte die Lyrikerin Hilde Domin im Exil der Dominikanischen Republik in den 1940er Jahren. Der Baum als Symbol für ein Zuhause der Kindheit. Für sie stand er in Köln. Und ihre Heimat war die deutsche Sprache. «Wo steht dein Maulbeerbaum?», fragt die georgische Regisseurin Tamó Gvenetadze heute in Bochum. Für sie stand er in der Stadt...
Eine Revue will sie machen, bloß kein Drama: Ein Drama, sagt die Tänzerin Fernanda Farah auf der Berliner Volksbühne, handelt immer von Family Business. Hamlet mag Claudius nicht, weil dieser Papa getötet und Mama geheiratet hat. Antigone will ihren Bruder begraben, der Onkel will es nicht. Schon bringen sich alle um. Was Antike und Klassik in die Welt gesetzt...
Der Fürst schnauft und ächzt, er schwankt auf dürren Beinchen in rot-gemusterten Leggins und kann sich kaum auf den Beinen halten. Sitzt er endlich im Sessel, so nickt er ein – oder begrabscht die Frauenbeine rechts und links, als gäbe es kein Morgen. Und weil seine Tage tatsächlich gezählt scheinen und weil er so wohlhabend ist wie ledig, muss dieses Onkelchen...
