Sie will doch nur spielen
Eine Revue will sie machen, bloß kein Drama: Ein Drama, sagt die Tänzerin Fernanda Farah auf der Berliner Volksbühne, handelt immer von Family Business. Hamlet mag Claudius nicht, weil dieser Papa getötet und Mama geheiratet hat. Antigone will ihren Bruder begraben, der Onkel will es nicht. Schon bringen sich alle um. Was Antike und Klassik in die Welt gesetzt haben, das Drama, ist in Wahrheit eine lokale Geschichte eingesessener Familien, hier von einer aus Dänemark, da von einer aus Theben.
Deshalb sei für Constanza Macras, die seit fast dreißig Jahren in Berlin lebt, das Drama fürs lokale Stadttheater so ideal. Auch das ist gemacht für Alteingesessene. Dass sich eine so weltgereiste Choreografin wie Macras aber in anderer Leute Familienangelegenheiten mischt, das der Buddenbrocks, des Denver Clans, all dieser Telenovelas, gehe natürlich nicht. Denn Drama, das ist etwas für Daheimgebliebene, für Sesshafte und Stubenhocker.
Revue ist anders, ganz anders. Die Revue nimmt einen mit auf Reisen und lässt die Welt passieren. Sie entstand als Genre, als man die Eisenbahn baute und die Leute ihr Dorf oder die Burg nicht mehr nur zum Kriegführen verließen, sondern um endlich auch mal ...
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Theater heute März 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Arnd Wesemann
Jürgen Flimm war ein unbeugsamer Verfechter des Stadttheaters: ein Nachruf Was gibt’s Neues im Kino?
Die Berlinale ruft, wir antworten!
«Die Eingeborenen von Maria Blut» nach dem Roman der lange vergessenen Maria Lazar (1895–1948) sind in der Wiener Bearbeitung von Alexander Kerlin und Lucia Bihler ein starkes Stück: der Abdruck.
Theater heute 4/2023 erscheint am...
Im Grunde ist das Theater Meiningen ein klassizistisches Resultat von deutscher Kleinstaaterei und Geltungssucht. Das Große Haus, 2010 komplett saniert, mit seinen sechs prunkvollen ionischen Säu -len, gelegen in einem Park mit originalen Fake-Ruinen, ist eigentlich viel zu groß für die 25.000-Einwohner-Stadt im Thüringer Wald. Weitab von jeder Metropole hat...
«Wo steht unser Mandelbaum?», fragte die Lyrikerin Hilde Domin im Exil der Dominikanischen Republik in den 1940er Jahren. Der Baum als Symbol für ein Zuhause der Kindheit. Für sie stand er in Köln. Und ihre Heimat war die deutsche Sprache. «Wo steht dein Maulbeerbaum?», fragt die georgische Regisseurin Tamó Gvenetadze heute in Bochum. Für sie stand er in der Stadt...
