Kampf um die Kunst

In Thomas Melles «Ode» haben die Künstler*innen das letzte Wort

Die drei Künstlerfiguren, um die her­um sich nacheinander die Kulturkämpfe von Thomas Melles «Ode» entfalten, sind eines schon mal nicht oder zumindest nicht in reinster Form: weiße, heterosexuelle Normalmänner aus dem Bürgertum. Die Konzeptkünstlerin und Direktorin der Kunstakademie Anne Fratzer, die die Öffentlichkeit mit einer unsichtbaren Luft-Skulptur unter dem Titel «Ode an die alten Täter» brüskiert und sich später das Leben nimmt, entstammt einem Gewaltverbrechen und lebt in einer lesbischen Partnerschaft.

Der politisch links stehende Theatermacher Orlando, der fünf Jahre später an sie erinnern will, ist Sohn einer migrantischen Putzfrau und war einmal Unterschicht. Noch einmal Jahre später hat die geschlechtlich non-binäre Performer*in Präzisa ihren abschließenden Auftritt. Sie alle haben bei genauerer Betrachtung mindestens eine lindenblattartige Markierung, die sie verletzlich und potenziell diskriminierbar macht, aus der sie aber auch ihre künstlerische Kraft und Fantasie beziehen. 

Einen nach der anderen schickt Thomas Melle in eine wortgewandte Schlacht um die Freiheit der Kunst. An ihr sägen in «Ode» zwei Gruppen, die jeweils unbenannte Stimmen bündeln: Zum einen ...

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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 27
von Eva Behrendt