Deutscher Geist
Ohrenbetäubendes Unheilsdröhnen, Gewitterbeats und elegisches Gewummer. Dazu dreht sich ein metallbeschlagenes viereckiges Monstrum in der Bühnenmitte, um das sich auf Kniehöhe eine kleine Sünderbank schlängelt. Das Licht im neblig trüben Raum kommt nur funzelig von oben und leuchtet steil wie in eine Untergangskathedrale. Drunten auf dem Bühnenboden kringeln und krümmen sich die Menschlein. Wen es hierher verschlagen hat, ist in den verschiedenen Höllenkreisen, die diese Welt anzubieten hat, schon ziemlich tief gesunken.
Gleich zu Beginn hängt eine schreiende Person im Halbdämmer wie gekreuzigt mit blutigem Bauch an der Blechwand, der eine zottelige Gestalt irgendetwas in die Seite rammt. Es ist zwar nur der Bader (Hilfsdoktor) beim wassersüchtigen alten Rottbauern, sieht aber aus wie mittelalterliche Kerkerfolter. Es geht um «Glaube und Heimat», Regie Michael Thalheimer.
Wer hat Angst vor Karl Schönherr? Der Tiroler Schriftsteller (1867–1943) mit Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof, dem NS-Reichsdramaturg Rainer Schlösser 1933 «blutechtes, bodenständiges Schaffen» bescheinigte und der den «Anschluss Österreichs» 1938 in zierlich feiernde Verse fasste, schrieb wuchtige ...
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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Franz Wille
Es gibt in Wien eine wenig schmeichelhafte Zuschreibung, die in der Szene jeder kennt: Am Burgtheater arbeitet man, am Volkstheater macht man Pausen und hält die Tarifverträge ein. Das chronisch unterdotierte und personell unterbesetzte Volkstheater ist das Sorgenkind der ansonsten reichen Theaterstadt: Es gleicht von der Architektur und Größe dem Hamburger...
Weil das Theater für ihn zur Zeit wenig von sich hermacht, hat sich der an nachlassender Bilderlust nicht leidende Graphiker und Bühnenbildner Volker Pfüller mehr aufs Büchermachen und farbenreiche Landschaftsmalerei konzentriert. Er hat von 1979 bis 1986 in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Alexander Lang in Berlin dem Deutschen Theater mit...
Das ist nicht der romantische Unschlittplatz, wo man ihn einst fand, verwirrt, verdreckt und stammelnd. Das ist der harte Eiserne Vorhang, an den zwei Herren in weißen Anzügen den Kaspar Hauser schmeißen, immer wieder, brutal und ohne Gnade für die arme Geburt. Einen Jux machen sie sich daraus, die Kreatur zu demütigen, sie mit Worten und Fäusten zu traktieren. Die...
