Karlsruhe: Gefühle des Verlorenseins

Lutz Hübner/Sarah Nemitz «Frauensache» (U)

Theater heute - Logo

Mehrfach ambitioniert geht dieser Abend an den Start: Mit einem Stück namens «Frauensache», in dem ausschließlich Frauen auftreten und über das Thema Abtreibung streiten, unterstreicht die Schauspieldirektion um Anna Bergmann am Badischen Staatstheater ihren Einsatz für weibliches Empowerment. Zudem ist hiermit erstmals ein Auftragswerk des Erfolgsduos Lutz Hübner/Sarah Nemitz für das Karls­ruher Haus entstanden. Und es dreht sich letztlich um das geschlechter- und generationenübergreifende Problem, dass neurechte Propaganda sich in den Diskurs-Mainstream drängt.

Doch selbst damit nicht genug: Weil hierzu auch das Motiv Ausländerfeindlichkeit gehört, arbeitet in der Praxis der linksliberalen Frauenärztin Beate eine syrische Geflüchtete als Sprechstundenhilfe. 

Das ist dann doch etwas arg viel Themen- und Thesenlast auf einmal, zumal wenn es, wie bei Hübner/Nemitz üblich, als konventionelles Well-made-Sprechtheaterplay dargeboten wird. Man kann aber auch konstatieren: Es spricht sowohl für das Stück als auch für die Inszenierung von Alexandra Liedtke und für die Spielkraft des Karlsruher Ensembles, dass die rund 100-minütige Uraufführung ein bis zum Schluss spannender Theaterabend ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2020
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Andreas Jüttner

Weitere Beiträge
Im Dunkel der Dezembernacht

Anfang Dezember fand die bislang größte Theaterdemonstration in Ungarn statt. Drei Repertoiretheater und einige unabhängige Theater riefen zu einer «Demonstration für das freie Theater und die Unabhängigkeit der Künste» auf. Künstler verschiedener Generationen und aus diversen Kunstorganisationen ergriffen das Wort. «Kultur ist ein nationales Gut» wurde zum Motto...

Im freien Fall

Es gibt in Wien eine wenig schmeichelhafte Zuschreibung, die in der Szene jeder kennt: Am Burgtheater arbeitet man, am Volkstheater macht man Pausen und hält die Tarifverträge ein. Das chronisch unterdotierte und personell unterbesetzte Volkstheater ist das Sorgenkind der ansonsten reichen Theaterstadt: Es gleicht von der Architektur und Größe dem Hamburger...

Thomas Melle: ODE

Figuren

im

ÖFFENTLICHEN RAUM

 

darunter:

 

FRATZER

ORLANDO

PRÄZISA

und 

DIE WEHR

 

Texte in durchgehenden Majuskeln zeigen einen CHOR an. Die WEHR kann stets von verschiedenen Spielerinnen und Spielern oder Gruppen übernommen werden. Das Sprech- und Anschlusstempo sollte möglichst hoch sein.  

  

Man erzähle mir Unvorhergesehenes, Gewaltsames. Man komme...