Kampf der moralischen Eitelkeit!

Die australische Künstlerin Melanie Jame Wolf arbeitet in der Berliner Freien Szene mit ihren Lebenserfahrungen und bleibt ihrer Autonomie treu

Theater heute - Logo

Die Kantine der Berliner Sophiensaele ist in dämmriges Licht getaucht. In der Mitte ein Stuhlkreis für vierzig Personen – gerade groß genug, um als kritische Masse für ein Publikum durchzugehen, dabei intim genug, um einander zu beobachten. Links und rechts an den Wänden Screens. Von Anfang an konzentriert die Performerin Melanie Jame Wolf alle Aufmerksamkeit in der Raummitte auf ihre Erscheinung, die mit pechschwarzen Haaren und einem leuchtend roten, leicht überschminkten Mund immer ein bisschen an das ikonische US-amerikanische Fetisch- und Akt-Modell Bettie Page erinnert.

Dabei sendet ihre Bühnenfigur immer mehrdeutige Signale: Eine ausgestellte, medial informierte Künstlichkeit einerseits – Female Drag und Pastiche –, autobiografische Authentizitätsmarker und eine starke physische Präsenz andererseits.

Das Besondere an der Aufführung «Mira Fuchs» ist, dass Wolf ihre eigene Stripperin-Persona spielt. Am Ende des 90-minütigen Abends hat sie allen im Stuhlkreis einen Lap Dance angeboten, das Erotik-Format in greifbarer Körpernähe, dessen oberste Regel hier lautet: nichts anfassen. Doch vorher zieht sie sich noch nackt aus, um einen hautfarbenen Ganzkörperanzug anzulegen wie eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2026
Rubrik: Akteure, Seite 34
von Anja Quickert

Weitere Beiträge
Jetzt nicht entbehrlich werden!

In den 1990er Jahren gab es in Köln einen zum Gegenstand vieler Folklore gewordenen Skandal. Um den Bau einer neuen Müllverbrennungsanlage zu erwirken, ließen mehrere Unternehmen knapp eine halbe Million Mark Parteispenden an die Kölner SPD fließen. Selbstverständlich tauchte das Geld nie in den Rechenschaftsberichten der Partei auf – ein Vorgang, der zwei...

Im Rhythmus der Utopie

Hoffnung erweist sich als ein rares Gut, gerade in bedrohlichen Zeiten. Am Badischen Staatstheater Karlsruhe hat man dafür just die Texte des großen Utopie-Theoretikers Ernst Bloch wiederentdeckt und aus seinem dreibändigen Hauptwerk, «Das Prinzip Hoffnung», einen Abend konzipiert.

Die Bühne erscheint von Anfang an als Labor, durchaus passend zur Philosophie des...

(K)ein Schweigen im Schwarzwald

Wie umgehen auf der Bühne mit der neuen Rechten? Viele Versuche haben wir gesehen: Sie als Karikatur zu zeigen oder ihr mit queeren Stücken zu begegnen. Nicht selten muten diese Bestrebungen plakativ und didaktisch an. Das Schauspiel Stuttgart setzt seit einiger Zeit auf eine andere Strategie und entdeckt dafür das Dokumentartheater wieder. Mit reduzierter Kulisse...