Im Rhythmus der Utopie
Hoffnung erweist sich als ein rares Gut, gerade in bedrohlichen Zeiten. Am Badischen Staatstheater Karlsruhe hat man dafür just die Texte des großen Utopie-Theoretikers Ernst Bloch wiederentdeckt und aus seinem dreibändigen Hauptwerk, «Das Prinzip Hoffnung», einen Abend konzipiert.
Die Bühne erscheint von Anfang an als Labor, durchaus passend zur Philosophie des Denkers, die im Gegensatz zu klassischen Zukunftsvisionen keine am Reißbrett entstandene Zukunftsgesellschaft in den Blick nimmt.
Vielmehr fokussiert sie den Weg dahin, den Prozess, aus dem sukzessive das Gute hervorgeht.
Diesem Work-in-progress entsprechend bringt das fünfköpfige Ensemble seine Requisiten erst zum Beginn nach vorne. Sie dienen im Weiteren zum Ausloten von Möglichkeiten. Während einer der Spieler Erde in Setzlingstöpfe füllt, beklebt ein anderer einen Soldatenhelm erst mit violetten, dann grünen Glitzerpailletten. Krieg, so die Botschaft dieses schönen Bildes, lässt sich überwinden, gar verwandeln.
Nicht unbeteiligt an der Rettung der Welt sind schon bei Bloch die Künste, vor allem die Musik, die daher als integraler Bestandteil der Aufführung fungiert. Zum einen singen die Spieler:innen, darunter Lucie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2026
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Björn Hayer
Das Frankfurter Künstler:innenhaus Mousonturm riecht nach gedünstetem Gemüse. Im Foyer wird geschnippelt und gespült, das Theaterrestaurant hat sich in eine Großküche verwandelt, mit dampfenden Töpfen und zischenden Pfannen. Der Mousonturm im Gründerzeitviertel Bornheim, vor genau 100 Jahren errichtet als Seifenfabrik und seit 1988 ein Produktionshaus für...
AMSTERDAM, ALLARD PIERSON
bis 29.11., The Art of Transformation
Die Ausstellung widmet sich der Verwandlung auf der Bühne durch Rollen, Masken, Kostüme und Bühnenbilder. Anhand von Objekten aus der Theatersammlung von Allard Pierson – darunter Kostüme, Fotografien, Tonaufnahmen und Bühnenbildent -würfe – verbindet sie historische Theaterpraktiken mit heutigen...
Frank Castorf inszeniert mit Jens Harzer in der Hauptrolle am Berliner Ensemble, dieser «bürgerlichen Bude mit ihren Plüschsesseln, den Nippes, den seidenen Lampenschirmen, eingerichtet von Helene Weigel»? Noch vor 15 Jahren hätte man locker gewettet, dass dieses Szenario niemals eintritt. Doch nun ist eins zum anderen gekommen: Seit 2018 hat der 75-Jährige am...
