Jungs, wir haben ein Problem!
Lange hat man am Stadttheater geglaubt, dass man die Spitze der Menschlichkeit verkörpere. Man verstand sich als links, progressiv, gesellschaftskritisch und zeigte von der Bühne aus gerne mit dem Finger Richtung Publikum. Ihr seid zu kapitalistisch, egozentrisch, kümmert euch nicht um Ungerechtigkeit und so weiter.
Doch spätestens seit #MeToo rumpelt es auch in der hiesigen Theaterlandschaft gewaltig: Mehr als ein:e Intendant:in musste wegen Diskriminierungsvorwürfen oder Machtmissbrauch den Posten räumen oder sich wenigstens erklären, so mancher Regisseur begab sich kleinlaut in einen Critical-Whiteness-Workshop.
Dann kam die Pandemie und mit ihr ein Innehalten, das nochmal jede Menge Schmutz an die Oberfläche befördert hat. Vor allem junge, weibliche, queere und BIPoC-Schauspieler:innen sind nicht länger gewillt, sich in die hierarchischen Strukturen der Kulturbetriebe einzuordnen. Die neu gegründete Gewaltschutzstelle Themis berät Betroffene, wie sie sich erfolgreich wehren können. Doch das Umdenken hat gerade erst begonnen.
150 Teilnehmer:innen, ein Intendant
Um Themen wie diese geht es bei den «Burning Issues». Einer Konferenz, die sich fragt, wie das Theater ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Transformation, Seite 68
von Anna Fastabend
Mit der Liebe war es ja noch nie leicht. Und wohl genau deswegen sind über alle Jahrhunderte hinweg zahllose sprachlich komplexe, teils hoch verdichtete Werke entstanden, die das Literaturthema Nummer eins in Worte fassen und um eine Sprache ringen für komplizierte Gefühls -lagen. Vieles, was über die Liebe und deren handfestere Schwester, die Sexualität, gesagt...
Wenn ich mich zu diesen Themen als Schauspielerin an einer Staatlichen Bühne äußern soll, komme ich mir eher wie eine Soziologin vor, die sich ihrer eigenen Herkunft, ihres Alters und Geschlechts, ihrer Privilegien in hohem Maße bewusst sein muss! In diesem Sinne hoffe ich, mich möglichst präzise auszudrücken.
Im Kern hat der Großteil der sogenannten...
«Kunst kommt von können und nicht von wollen, sonst müsste es ja Wunst heißen.» (Karl Valentin)
Seit einiger Zeit gibt es den Ruf nach Veränderung am Stadt- und Staatstheater. Hat sich etwas verändert, und wenn ja, was? Ja, es ist Bewegung im Spiel: Neue Ideen brechen auf, um verwirklicht zu werden. Nur, ist das NEU? Ja, es ist Bewegung im Spiel: Neue...
