Jugend mit und ohne Gott
Das Theater und die katholische Kirche haben vieles gemeinsam. Beide Institutionen versprechen moralischen Beistand und seelische Reinigung, beide haben trotzdem mit Publikumsschwund zu kämpfen. Während die Kirche dem aufgeklärten Bürger zu dogmatisch ist, verhält es sich mit dem Theater genau umgekehrt: Das «Anything Goes» der zeitgenössischen Bühnensprache wird von konservativen Theaterfreunden als Dekadenzerscheinung verteufelt.
In einer solchen Situation ist es ein interessanter Ansatz, wenn sich Theater und Kirche in der Mitte treffen.
Eine Woche vor Ostern hat das Berliner Maxim Gorki Theater die Stadt mit Plakaten für ein Stück namens «Die Gottlosen» zugepflastert, auf dem folgender Satz von Jean-Luc Godard zitiert wird: «Die Zeit ist derart bedürftig geworden, dass sie nicht mehr in der Lage ist zu erkennen, das Fehlen Gottes als Fehlen zu erkennen.» Unter den Premierenbesuchern, die sich zu ungewöhnlich früher Stunde (Beginn 18 Uhr) vor dem Theater versammelt haben, befinden sich offensichtlich auch Menschen, die normalerweise eher die Kirche frequentieren. «Ich bin mit Schwester Lütgen hier!», verkündet einer. Ein anderer bedankt sich bei seinem Begleiter dafür, dass ...
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Wie wär’s mit einer Frauenfantasie? Bitte vorstellen: ein gepflegtes Bordell auf dem Lande, von außen kuscheliger Backstein-Gutshof, von innen hippe Szenebar mit Kristallklunkerlampen, Fototapeten und 70er-Jahre-Plastikwandverschalung. Die Nutten: hübsche, mitunter ziemlich schwul und angegriffen ausschauende Männer. Die Freier: attraktive, strenge, auffällig...
Mit Jon Fosses Stücken ist es tricky. Sie klappern und stottern vor sich hin, stapeln Klischees – «Liebe», «Lebensalter», «Tod» etc. –, hangeln sich von Halbsatz zu Halbsatz und fallen bald einmal unter größerem Papiergeraschel völlig in sich zusammen. Oder aber sie können wunderbare Geheimnisboxen voller Träume vom Leben sein; von der Liebe, ihren Abgründen,...
Die Verlockung muss groß sein, vielleicht, weil der Stoff so gewaltig ist und Tantiemen birgt. Nach Moritz Rinke (seit 2002 in Worms), Helmut Krausser («Unser Lied»), Marc Pommerening («die nibelungen. melodram») und einigen weniger Autorschaft beanspruchenden Hebbel-Bearbeitern (wie zuletzt Andreas Kriegenburg) hat nun Oliver Schmaering ein weiteres...
