Explosionen innerer Welten
Mit Jon Fosses Stücken ist es tricky. Sie klappern und stottern vor sich hin, stapeln Klischees – «Liebe», «Lebensalter», «Tod» etc. –, hangeln sich von Halbsatz zu Halbsatz und fallen bald einmal unter größerem Papiergeraschel völlig in sich zusammen.
Oder aber sie können wunderbare Geheimnisboxen voller Träume vom Leben sein; von der Liebe, ihren Abgründen, Glückseligkeiten und Leerläufen; von den Illusionen des Daseins überhaupt, das sich vor dem dumpfen Hintergrund des Nichts beweglich und bunt abhebt wie ein Feuerwerk der Emotionen und, immer schon verglühend, unausweichlich auf sein Ende zugeht. Fosse gibt Regisseurinnen und Regisseuren einen Spiegel in die Hand; in den Inszenierungen seiner Stücke werden ihre Persönlichkeiten getreulich abgebildet. Bei den einen kommt dann eben bloß Konzept, Design und Gefühlsdürre auf die Bühne. Bei den andern explodieren innere Welten.
Zu dieser letzteren Kategorie gehört, wie sich bei seiner ersten Jon-Fosse-Inszenierung im vergangenen Frühsommer erwies, Luc Bondy. «Schlaf» hieß das Stück, dessen Hohlform Bondy ausgoss mit einem halluzinogenen Elixier. Er schickte zwei Paare – oder sind es mehr? – in eine hypnotische Atmosphäre, die ...
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«Das Risiko bei Shakespeare besteht natürlich darin, dass du auf einen völlig falschen Weg kommen kannst und niemand dich dabei aufhält. Bei Henrik Ibsen ist es komplett anders, bei diesem Dramatiker kannst du andauernd kontrollieren, was du machst. Wenn man bei Ibsen eine grundsätzlich falsche Entscheidung für eine Figur trifft, wenn man zum Beispiel aus Lövborg...
Eigentlich ist sie schon ganz lange da. Nur so richtig groß aufgefallen, das war sie bisher nicht. Immer wohlwollend erwähnt, nie abgestürzt, sicher eine Stütze des Ensembles, aber nie: ein Star. Judith Hofmann wird demnächst 40. Das würde keiner glauben, der sie nur auf der Bühne sah, aus der sicheren Entfernung des Parketts, geschminkt und in der Rolle...
Der Verwaltungsrat der Zürcher Schauspielhaus AG sprach von bis zu dreißig ernstzunehmenden Bewerbungen für die künstlerische Direktion. In der Schweiz heißt der Posten offiziell nicht Intendanz, weil die höfische Tradition fehlt und damit auch dieser Begriff. Bedenkt man, wie wenig die Findungskommission in acht Monaten gefunden hat, darf man durchaus von feudalen...
