Explosionen innerer Welten
Mit Jon Fosses Stücken ist es tricky. Sie klappern und stottern vor sich hin, stapeln Klischees – «Liebe», «Lebensalter», «Tod» etc. –, hangeln sich von Halbsatz zu Halbsatz und fallen bald einmal unter größerem Papiergeraschel völlig in sich zusammen.
Oder aber sie können wunderbare Geheimnisboxen voller Träume vom Leben sein; von der Liebe, ihren Abgründen, Glückseligkeiten und Leerläufen; von den Illusionen des Daseins überhaupt, das sich vor dem dumpfen Hintergrund des Nichts beweglich und bunt abhebt wie ein Feuerwerk der Emotionen und, immer schon verglühend, unausweichlich auf sein Ende zugeht. Fosse gibt Regisseurinnen und Regisseuren einen Spiegel in die Hand; in den Inszenierungen seiner Stücke werden ihre Persönlichkeiten getreulich abgebildet. Bei den einen kommt dann eben bloß Konzept, Design und Gefühlsdürre auf die Bühne. Bei den andern explodieren innere Welten.
Zu dieser letzteren Kategorie gehört, wie sich bei seiner ersten Jon-Fosse-Inszenierung im vergangenen Frühsommer erwies, Luc Bondy. «Schlaf» hieß das Stück, dessen Hohlform Bondy ausgoss mit einem halluzinogenen Elixier. Er schickte zwei Paare – oder sind es mehr? – in eine hypnotische Atmosphäre, die ...
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