Explosionen innerer Welten

Was fehlt? - Jon Fosse «Schlaf», Regie Luc Bondy, Akademietheater, Wiener Festwochen

Theater heute - Logo

Mit Jon Fosses Stücken ist es tricky. Sie klappern und stottern vor sich hin, stapeln Klischees – «Liebe», «Lebensalter», «Tod» etc. –, hangeln sich von Halbsatz zu Halbsatz und fallen bald einmal unter größerem Papiergeraschel völlig in sich zusammen.

Oder aber sie können wunderbare Geheimnisboxen voller Träume vom Leben sein; von der Liebe, ihren Abgründen, Glückseligkeiten und Leerläufen; von den Illusionen des Daseins überhaupt, das sich vor dem dumpfen Hintergrund des Nichts beweglich und bunt abhebt wie ein Feuerwerk der Emotionen und, immer schon verglühend, unausweichlich auf sein Ende zugeht. Fosse gibt Regisseurinnen und Regisseuren einen Spiegel in die Hand; in den Inszenierungen seiner Stücke werden ihre Persönlichkeiten getreulich abgebildet. Bei den einen kommt dann eben bloß Konzept, Design und Gefühlsdürre auf die Bühne. Bei den andern explodieren innere Welten. 
 

Zu dieser letzteren Kategorie gehört, wie sich bei seiner ersten Jon-Fosse-Inszenierung im vergangenen Frühsommer erwies, Luc Bondy. «Schlaf» hieß das Stück, dessen Hohlform Bondy ausgoss mit einem halluzinogenen Elixier. Er schickte zwei Paare – oder sind es mehr? – in eine hypnotische Atmosphäre, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2007
Rubrik: Theatertreffen, Seite 24
von Barbara Villiger-Heilig

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Mutter aus der Schreibmaschine

Eine ungewollt schwangere Frau hadert mit ihrer wachsenden Leibesfrucht, weil diese ihr ihre Freiheit nimmt und sie von der anvisierten Sportlerkarriere abhält – das könnte ein Gegenwartsstück über Singledasein und Erfolgsfixiertheit sein. Es ist aber ein quasi-autobiografisches Werk von Herbert Achternbusch über seine werdende Mutter im Jahr 1938. Der 2005...

Riskante Reise

Wer selbst beim Theatertreffen jahrelang mitjuriert hat, kennt das Haut-die-Jury-Spiel vom eigenen Buckel. Im Grunde ist es müßig: Denn immer haben sich die Juroren bei ihren verwickelten Entscheidungsprozessen etwas gedacht. Aber manchmal fragt man sich doch: was eigentlich? Warum haben sie sich unter den drei «Orestien» der Saison (Berlin, Leipzig, Frankfurt)...

Empfang mit offenen Armen

Viel Staat war nicht mehr zu machen mit dem Staatstheater. Die traditionsreichen Darmstädter Bühnen – ihre Geschichte reicht bis in die Zeiten des Landgrafen Ludwig V. im frühen 17. Jahrhundert zurück – hatten 1972 einen opulenten Neubau bekommen, ein Dreispartentheater mit Großem und Kleinem Haus, üppigem Raumprogramm für Werkstätten und Requisite und einer der...