Jubiläum: Heiteres Performance-Raten
Auch das postdramatische Theater ist inzwischen in die Jahre gekommen. Mit einer Tagung in der Berliner Akademie der Künste und einem Festival im Kreuzberger Hebbel am Ufer feierte das gleichnamige Buch von Hans-Thies Lehmann soeben seinen 20. Geburtstag. Und weil entsprechende Kulturtechniken im Alter ja erbarmungslos zuschlagen, wurde es bei dieser Gelegenheit auch kanonisiert. Namentlich vom Performance-Kollektiv She She Pop, das seinerseits anno 2020 sogar schon sein 27-jähriges Bühnenjubiläum feiert.
Die Idee, die She She Pops «Kanon» zugrunde liegt, ist konzeptionell clever und verheißungsvoll. Im Berliner HAU 2 erinnern sich die Künstlerinnen und ausgewählte Gäste jeweils an prägende (postdramatische) Theatermomente, um daraus eben allabendlich neu und live besagten «Kanon» zu bilden – womit natürlich sämtliche Fragen im Bühnenraum stehen, mit denen sich das Erinnerungskulturbusiness im Allgemeinen und die Unterabteilung für ephemere Kunstformen im Besonderen herumschlägt: Wie «materialisiert» sich ein Theaterabend überhaupt jeweils in den unterschiedlichen Publikumsköpfen?
Unter welchen Parametern werden ästhetische Eindrücke in den diversen Großhirnrinden abgelegt, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Christine Wahl
An zwei Stellen unterbricht plötzlich ein Formular der Armee den Text. Beim ersten Mal ist es ein Dokument der Gegenstände (Bett, kugelsichere Weste, Feldgeschirr etc.), die einer Soldatin zur Einberufung ausgehändigt werden. Beim zweiten Mal der Untersuchungsbericht eines Militärgerichts: Bei einer nächtlichen Überfallsübung hat eine Soldatin sich...
Wie heißt er denn jetzt umgangssprachlich, der Cunnilingus, der Blow Job für die Frau? Ein merkwürdig bezeichnungsfreier Akt ist das, und das spricht natürlich auch schon für sich. Olivia Öl jedenfalls hätte gern einen, oder mehrere – aber nicht von ihrem Freund Popeye. Da ist die Scham davor: Die Scham vor dem Geruch, vor dem Geschmack, vor dem Überhaupt ihres...
Was wünsche ich mir für das Theater in diesem neuen Jahrzehnt? Foyers, die lichtdurchflutet sind, wären gut. Mit geöffneten Fenstern und Schlingpflanzen, besonders im Sommer. Was noch? Dass es am Ende dieses Jahrzehnts selbstverständlich geworden sein wird, dass die Spieler*innen beim Applaus die Bühne mit den Mitarbeiter*innen von Ton, Licht, Video, Technik,...
