Jeunesse prolé

Armin Petras/Carmen Wolfram nach Clemens Meyer «Als wir träumten»

Theater heute - Logo

Clemens Meyer ist als Dichter mit Bierflasche in die jüngste Feuilletongeschichte eingegangen. Als der 1977 in Halle geborene Leipziger im März den Buchpreis der Messestadt erhielt, wurde er just in dem Moment fotografiert, als er im Siegestaumel die Pulle hochriss – die authentische Siegerpose des Kerls von der Straße, der sich längst mit Schmalzlocke, Brille und Anzug (unter dem sich, wie es heißt, 16 Tattoos verbergen) zum Schriftsteller gewandelt hat.



Auch «Als wir träumten», der Roman, mit dem er vor zwei Jahren berühmt wurde, scheint aus einer einzigen authentischen Geste heraus geschrieben zu sein. Meyers literarisches Alter Ego Daniel erzählt darin von den Leipziger Nachwendejahren einer kleinkriminellen Jungs­clique, die beim Saufen, Hauen, Autoklauen Kopf und Kragen riskiert, im Knast oder gleich auf dem Friedhof landet. Der Autor bleibt der Handlung dicht auf den Fersen; es gibt kein reflektierendes, analysierendes, nur ein unbeirrbar am wilden Leben entlangschreibendes Ich.

Armin Petras, der sich schon öfter «für das unschuldig schuldig Werden» interessiert hat und für die Schwelle von der Pubertät ins Erwachsenenleben, hat zusammen mit der Dramaturgin Carmen Wolfram ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2008
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im halb so wilden Osten «Zeppelini»

Die Landschaft ist ähnlich, die Menschen sind es nicht. Ieva kommt aus dem ländlichen Litauen nach Schleswig-Holstein als eine Art Erwachsenen-Au-pair in die Familie Leysing. Daheim hat der Bruder den Hof der Großmutter verspekuliert und möchte auf diesem Weg die Schwester in Sicherheit bringen. Der wilde Osten weht aus dieser Geschichte, natürlich auch als...

Facetten des Müßiggangs

Das Publikum zu beiden Seiten des schmalen schwarz glänzenden Steges, meist einander ins Gesicht schauend, manchmal vom glitzernden Glasperlenvorhang getrennt, jubelt. Claudia Bauer muss etwas von dem Lebensgefühl dieser Generation getroffen haben, die sich mit Büchner zumindest in der schönen Sequenz einig weiß: Wer arbeitet, ist ein subtiler Selbstmörder. Allzu...

Herzschlag der Szene

Am Vorabend seines Todes habe ich ihn zwischen vielen Menschen auf einer Premierenfeier getroffen und in sein durchwachtes Gesicht geschaut. Er fragte, was der Sinn des Lebens sei. «Wir brauchen Dich, Laurent!» – «Ist das der Sinn des Lebens, dass man gebraucht wird?», war seine Antwort. Je t'ai besoin – diesen Satz hat er selber einmal vertont, für den zweiten...