Spiel von Liebe und Zufall

Nie waren die Zeiten besser für junge Regisseure: Die Theater sind auf fast schon hysterischer Talentsuche und «buchen» von der Regieschule weg. Nie waren die Zeiten schwieriger für junge Regisseure: Wer nicht schnell Karriere macht oder ein paar Misserfolge zu viel einfährt, wird bald vergessen. Ein Gespräch über den Markt und seine Erwartungen – und zwei Reports über Festivals, die sich dem Regienachwuchs verschrieben haben

Theater heute - Logo

Ein Gespräch mit Jette Steckel, Barbara Weber, Sebastian Schug und Roger Vontobel über den Start in den Regieberuf, die Bedeutung von Netzwerken und die Unmöglichkeit, sich selbst als Label zu erfinden

Theater heuteTheaterregie ist kein ganz gewöhn­licher Beruf. Wundert man sich als junger Regisseur manchmal über sich selbst?

Roger VontobelJa, unbedingt! Mein Vater war Direktor einer Hotelfachschule in Zürich, ganz bürgerlich. Für mich war Theater immer Hobby, nie Beruf. Dann habe ich Physik studiert und gemerkt, dass das nichts für mich ist.

Dann ein halbes Jahr Theaterwissenschaft, das war’s auch nicht. Der Rest war Zufall. In London habe ich Kevin Spacey gesehen in «Der Eismann kommt», da hat in seinem langen Monolog ein Handy geklingelt, Spacey hat unterbrochen, ins Publikum geguckt und gesagt: «Tell them we’re busy.» Die Leute waren begeistert, sind aufgesprungen und haben applaudiert. Da habe ich gedacht: geil! Diese zwei Welten, die sich da öffnen.

Jette SteckelNeulich habe ich von Horst Köhler gehört, wie er nach einer Vorstellung des Theatertreffens zum Grußwort hinter die Bühne gekommen ist und die Schauspieler nach einem Dank fragte: Und machen Sie das hauptberuflich?

THSie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2008
Rubrik: Marktplatz Junge Regie, Seite 6
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zufriedenheit im Mittelmaß

Gründe, kritisch zu sein, gibt es genug», schreibt Friedrich Schirmer im Vorwort zum neuen Spielplanheft des Deutschen Schauspielhauses. Zwar meint er damit mehr die Verhältnisse in der Welt, aber zu den Verhältnissen in seinem Theater gibt es ja auch einiges zu sagen. Inszenierungen, Schauspielerleistungen, Intendantenscherze, Spielplanentscheidungen,...

Die röhrenden Kerle

Der Anfang ist ein klassisches Nübling-Gewitter. Rund 20 wildgewordene Börsianer, die im Rudel rennen und schreien und die Fäuste recken. Dazwischen die kleine Katharina Schmalenberg als Lady Macduff, die eiskalt sinkende, dann steigende Aktienkurse ausruft. Dann tritt ein ruhiger, guruhafter Duncan ins junge Gebrüll, denkt laut über seinen Nachfolger nach und...

«Osteuropa kann den Westen zum Frühstück verspeisen»

Franz WilleMögen Sie Flughäfen?

Tena StivicicFrüher schon, so vor zehn Jahren, als ich anfing, öfter zu reisen. Flughäfen fand ich sehr romantisch. So viele Menschen, die kommen und gehen, man weiß nie, wen man gerade trifft. Damals sind noch viel weniger Leute geflogen, das hatte fast noch etwas Dekadentes. Und  verglichen mit Zügen und Bussen, besonders in meinem...