Im halb so wilden Osten «Zeppelini»

«Zeppelini» – ein Hörspiel der litauischen Volksbühnendramaturgin Dunja Arnaszus

Theater heute - Logo

Die Landschaft ist ähnlich, die Menschen sind es nicht. Ieva kommt aus dem ländlichen Litauen nach Schleswig-Holstein als eine Art Erwachsenen-Au-pair in die Familie Leysing. Daheim hat der Bruder den Hof der Großmutter verspekuliert und möchte auf diesem Weg die Schwester in Sicherheit bringen. Der wilde Osten weht aus dieser Geschichte, natürlich auch als Klischee. Zum Glück ist das nicht alles.



Denn während sich das Rentnerpaar die Aufnahme der EU-Neubürgerin als anspruchsvollen Kontaktversuch selbst verordnet hat, versucht es Ieva erst mal kulinarisch mit den Zeppelini: Kartoffelpiroggen mit fettem Schweinefleisch, die litauische Spezialität. Für die Hausherrin etwas zu glitschig auf der Gabel, für den ehemaligen Lehrer Robert Leysing immerhin ein Anfang – und für den Enkel Sven der Beginn einer Liebe, die bei der Oma auf große Vorbehalte stößt. Ieva wird als gefährliche Verführerin gesehen, einerseits lackiertes Landei, andererseits gerissenes Weib, und wahrscheinlich wird sie ihre ganze Sippe nachholen. Auch wenn der nachsichtigere Robert der jungen Litauerin Fahrstunden auf dem Rasenmäher gibt – beide bleiben Gastgeber der eigenen Angst. Ieva indes sucht per E-mail nach ihrem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2008
Rubrik: Magazin/Hörspiel, Seite 58
von Thomas Irmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Selbstverständlich neu

Antigone hat ein Problem. Das hat sie seit mehr als 2400 Jahren, als Sophokles ihre Geschichte aufschrieb. Aber jetzt ist die Lage wirklich prekär. Ihr Bruder verübte einen Selbstmordanschlag auf das Haus, in dem sie mit Haimon und ihrem Schwiegervater Kreon wohnt; dieser mutiert vom demokratischen Präsidenten zum angstzerfressenen Diktator, sie von einer...

Schneider, Monroe, Deneuve

«Sie war nicht der Kumpel­typ», bestätigt auch Jaecki Schwarz, Gröllmanns Partner in diversen DEFA- und Nachwende-TV-Produktionen, bevor sein Kollege Hermann Beyer das Sujet in abstraktere Gefilde hebt: «Richtung Romy Schneider, würd’ ich denken.» Es ist dann an Michael Gwisdek, das Spektrum noch ein wenig zu erweitern: «Monroe, Deneuve – das war Jenny in der DDR.»...

Sympathische Selbstzweifel

Der Mensch ist frei, und weil er frei ist, kann er so tun, als sei er unfrei. Iwanow kann tun, was er will, und weil er das weiß, kann er nichts tun. Die Hauptfigur von Tschechows erstem abendfüllenden Stück könnte uns zeigen, wie weit es kommen kann mit uns, den allzu gründlich über sich selbst aufgeklärten Menschen. Amélie Niermeyers Inszenierung versucht das...