«Jede Geste zählt»
Siamo tutti antifascisti!» Der Jubel war groß am Abend des 7. Juli, als klar war: Das rechtspopulistische Rassemblement National hat die Parlamentswahlen in Frankreich wider Erwarten nicht gewonnen. In Avignon tanzten die Menschen vor dem Rathaus, applaudierten, skandierten Antifa-Parolen – die Erleichterung explodierte. Die Auftaktwoche des Theaterfestivals lag genau zwischen dem ersten und dem zweiten Wahlgang. Eine Zeit der Unsicherheit und der Mobilisierung. Wie würden die «Législatives» ausgehen? Die kulturpolitischen Perspektiven des RN wären wenig verheißungsvoll.
«Wollt ihr Kunst oder Heimatschutz?», rief Angélica Liddell in der Eröffnungspremiere des Festivals provokativ in den 2000 Köpfe fassenden Zuschauerraum des Papstpalasts, und vor dem Hintergrund des reaktionären Kunstbegriffs der Le-Penisten klang es umso alarmierender. Was diese für unterstützenswert erachten – nämlich außer Denkmalpflege und Folklore nicht viel, schon gar nichts Zeitgenössisches –, konnten sie in einigen Kommunen bereits unter Beweis stellen.
In ihrer neusten Arbeit, «Dämon. El funeral de Bergman», instrumentalisiert Liddell Ingmar Bergmans akri -bische Pläne für sein eigenes Begräbnis und seine ...
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Theater heute November 2024
Rubrik: Festivals, Seite 36
von Andreas Klaeui
Überall herrscht Mangel, ob in Kitas, Schulen oder Krankenhäusern. Und das in Deutschland, dem wirtschaftlich stärksten Land der Europäi -schen Union. Doch die großen Investitionen bleiben aus. Zu viele Staatsschulden. Noch mehr davon sind auf keinen Fall drin: Die Schuldenbremse muss schließlich eingehalten werden. Doch was wäre, wenn jede Person dieses Landes...
Hinter den drei steinernen Art-Deco-Torbögen des Leipziger Grassi-Museums wartet das geheimnisvolle Transsylvanien mit dem dunklen Fürsten Nosferatu. Das Schauspiel Leipzig nutzt den Hof des Museums für einen Ausflug in einen Horrorklassiker, inszeniert von Katharina Ramser, die mit dem «Nosferatu» zugleich ihre erste Arbeit am Leipziger Theater zeigt.
Die Fassung...
Die Leinwände an den Seitenwänden und der Rückwand bewegen sich langsam nach oben. Irgendwann sind Gebäude zu sehen, zur Bühne hin mit Arkaden bestückt, die nicht nur in der griechischen Sommerhitze für Schatten, eine kühlende Luftzirkulation und die Möglichkeit eines offen demokratischen Gedankenaustausches sorgen können.
Die Atmosphäre von Thea Hoffmann-Axthelms...
