Flashback Ismene

Anna Gschnitzer «Ich, Antigone» (U) am Staatstheater Mainz

Theater heute - Logo

Die Leinwände an den Seitenwänden und der Rückwand bewegen sich langsam nach oben. Irgendwann sind Gebäude zu sehen, zur Bühne hin mit Arkaden bestückt, die nicht nur in der griechischen Sommerhitze für Schatten, eine kühlende Luftzirkulation und die Möglichkeit eines offen demokratischen Gedankenaustausches sorgen können.

Die Atmosphäre von Thea Hoffmann-Axthelms Bühnenbild strahlt allerdings nicht die sonnige Offenheit einer südlichen Piazza aus, es wirkt entschieden düster, baufällig und wie ein Trümmerfeld, auf dem merkwürdige Gestalten streunen, von denen man nicht weiß, sind das Obdachlose nach der Implosion einer Stadtgesellschaft oder Trümmermenschen nach einem Drohnenangriff? Eigentlich müsste das der Chor sein, der in der antiken Tragödie gesellschaftspolitische Verwerfungen und rätselhafte Vorkommnisse hinterfragt. Beginnen die Gestalten zu sprechen, wird allerdings klar: Das ist ein Ensemble aus Staubteilchen – «Wir legen uns auf alles was ist / auf alles was war / Wir sind / nicht eins / wir werden eingeatmet / und weitergetragen / in den Lungen».

Etwa in der Mitte des Textes hat der Staub sich dann allerdings gelegt, er kommt schlicht nicht mehr zu Wort. Es ist also ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2024
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Jürgen Berger

Weitere Beiträge
Kolumne: Frohe Botschaften

Die Spielzeit hatte kaum begonnen, schon liefen wir einem Apostel der FROHEN BOTSCHAFT in die Arme. Als engagierte Dramaturgin am Theater hatte sie im Sommer gleich mehrere internationale Theaterfestivals besucht und war mit positiver Energie vollgepumpt wie ein:e Kraftsportler:in aus love lies bleeding: Fast 52 Prozent der Menschen in Europa glauben noch an die...

In den Ruinen

Manchmal programmieren Theater Stoffe passgenau zu politischen, gesellschaftlichen, historischen Schlüsselpunkten. Luk Perceval gelang so etwas vergangenen Januar am Hamburger Thalia Theater mit Hans Falladas «Wolf unter Wölfen»: Eine wütende Landbevölkerung rebellierte da gegen die demokratischen Regeln der Weimarer Republik, und parallel zur Premiere wurden...

«Jede Geste zählt»

Siamo tutti antifascisti!» Der Jubel war groß am Abend des 7. Juli, als klar war: Das rechtspopulistische Rassemblement National hat die Parlamentswahlen in Frankreich wider Erwarten nicht gewonnen. In Avignon tanzten die Menschen vor dem Rathaus, applaudierten, skandierten Antifa-Parolen – die Erleichterung explodierte. Die Auftaktwoche des Theaterfestivals lag...