Ins hellere Licht des Bewusstseins

Mazlum Nergiz «Große Elbstraße 275A»

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Sie wartet, bis es dunkel wird. Sie wartet noch ein bisschen. Dann schließt sie die Augen und taucht ein. Sie schwimmt durch den Grenzfluss, von der Türkei nach Griechenland – tatsächlich, sie schwimmt einfach so von einem Land ins nächste, und keiner hält sie auf. Sie erreicht das andere Ufer. Sie legt eine Hand auf ihren Bauch. Etwas in ihr lebt.

In Mazlum Nergiz’ Auftragswerk «Große Elbstrasse 275A» ist jenes Ungeborene ein erwachsener Mann geworden. Ako, ein Künstler, ein Filmemacher auf der Suche.

Obwohl er den Kontakt zu seiner Adoptivmutter Rosa länger schon abgebrochen hat, besucht er sie kurz vor ihrem Tod ein letztes Mal und konfrontiert sie mit der Frage, die ihn umtreibt, seit ihm beim Jugendamt seine wahre Herkunftsgeschichte mitgeteilt wurde: Warum hat sie ihm seine ganze Kindheit hindurch mit der Erzählung belogen, seine leibliche Mutter sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen?

In Wahrheit steht am Anfang seines Lebens eine Gewalterfahrung. Seine Mutter, als kurdische Journalistin vor dem türkischen Staat nach Griechenland geflüchtet, hat sich am Ende langer Strapazen Anfang der 1990er Jahre auf dem Flüchtlingsschiff Casa Marina in Hamburg erhängt. Hat ihn als ...

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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Neue Stücke, Seite 148
von Susanne Meister

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