In Zukunft mehr Expert:innen
Auf die Frage, in welche Zeit sie am liebsten reisen würden, antworten die vier Ensemblespieler:innen vom Staatstheater Cottbus: in die Vergangenheit. Vielleicht, weil die Zukunft ihnen Angst macht – das jedenfalls wäre die These der Zukunftsforscherin Florence Gaub, die im zweiten Teil von Helgard Haugs «Die Zeitmaschine» einen kurzen Auftritt als KI-Hybrid hat. Sie fügt hinzu, dass Zukunftsangst typisch für Demokratien sei, weil vieles vom Gestaltungseinsatz des oder der Einzelnen abhängt und Zukunft entsprechend ungewiss ist.
Für unsere Hirne sei das oft schwerer zu verkraften als etwa die Stabilitätsversprechen von Autokratien und Diktaturen, selbst dann, wenn diese für uns nichts Gutes verheißen.
Gaubs «Auftritt» gehört zu einer leider recht kurzen Sequenz in der Adaption des Science-Fiction-Romans von H.G. Wells, in der eine ganze Reihe von Zukunftsexpert: -innen Prognosen zu Klimawandel, Plastik, KI, Gesellschaft und mentaler Degeneration äußern. Sie alle sind nur als KI-bearbeitete Gesichter auf fahrbaren, an Stangen montierten Screens zu sehen, während O-Töne aus Zoom-Interviews eingespielt werden. Es ist der spannendste und intellektuell anregendste Teil des Abends, ...
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Theater heute Mai 2026
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Eva Behrendt
Vom Jahrmarkt auf den Friedhof: Wo sich zu Stückbeginn im Landestheater Eisenach das jugendliche Ensemble noch im Büchsen -werfen übt und munter auf dem Karussell herumklettert, das Verena Hemmerlein als Szenenbild auf die Bühne gestellt hat, künden nach der Pause Grabsteine vom Tod von zwei der Protagonist:innen auf der Bühne. Von seiner Dramatik hat Frank...
Paulina Alpen als Gregor Samsa macht jedes Käferkostüm überflüssig. Sie spielt’s einfach: biegt sich nach hinten in die Brücke und geht behände auf allen Vieren. Zieht den Kopf ein, nimmt einen Apfel zwischen die Hände und zermalmt ihn mit den Zähnen – mit gieriger, aber beharrlicher Gründlichkeit, wie man es etwa bei Rosenkäfern, die sich auf einer Doldenblüte...
Im November 1989, gerade war die Mauer gefallen, war Wolf Biermann nicht nur froh. In einem Brief an Sarah Kirsch notiert er seine zwiespältigen Gefühle. Als zwangsausgebürgerter Staatsfeind der DDR sieht er den Sieg der Opposition und muss feststellen: «Denen geht’s prima, die brauchen mich nicht mehr.» Er sinniert über das «alte Elend der Exilierten: Er hofft,...
