Blühende Zukünfte
Im November 1989, gerade war die Mauer gefallen, war Wolf Biermann nicht nur froh. In einem Brief an Sarah Kirsch notiert er seine zwiespältigen Gefühle. Als zwangsausgebürgerter Staatsfeind der DDR sieht er den Sieg der Opposition und muss feststellen: «Denen geht’s prima, die brauchen mich nicht mehr.» Er sinniert über das «alte Elend der Exilierten: Er hofft, dass es zu Hause besser wird, aber wenn es besser wurde, hat er gar nichts mehr, nicht mal die alten treuen und liebgewordenen Feinde».
Und dann noch ein bisschen gekränkter: «Und er hat keinen Anteil am Sieg gegen die alten Unterdrücker.» Er schließt erkennbar beleidigt: «Meine ureigenste Sache wird da verhandelt, dachte ich, und ich selber darf nicht dabei sein.»
An den alten, treuen und liebgewordenen Feinden hatte sich Biermann in der DDR von 1953 bis ’76 mit Inbrunst abgearbeitet. Der Sohn eines jüdischen Kommunisten, der in Auschwitz ermordet wurde, überlebte als Sechsjähriger mit seiner Mutter knapp den Hamburger Feuersturm, übersiedelte freiwillig ins «bessere Deutschland» und landete dort nach einigen Zufällen am Berliner Ensemble als Regieassistent. Seine Zerrissenheit hat er inbrünstig gepflegt. Wie viele seiner ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2026
Rubrik: Neue Stücke, Seite 28
von Franz Wille
WWW.ARDMEDIATHEK.DE
BANAUSEN – Comedy. Theater. Chaos, Show, D 2026
Comedians betreten die Theaterbühne: Sie stellen sich ohne Drehbuch dem klassischen Theaterbetrieb und unvorhersehbaren Regieanweisungen. Die ersten Ausgaben widmen sich «Don Juan» und «Ein Sommernachtstraum» (mehr dazu S. 76).
Mario Adorf – Die Rollen seines Lebens, Reportage, D 2026
Unzählige...
Um auch mal mit etwas Positivem anzufangen: Man muss sie längst nicht mehr suchen, die Pionierinnen haben ganze Arbeit geleistet, und Parität scheint in greifbare Nähe gerückt. So wie vielerorts haben in München derzeit Frauen die Regie in der Hand und das in Jette Steckels Adaption von Michail Bulgakows Kultroman «Meister und Mar -garita» im Schauspielhaus der...
Am Ende, nach knapp fünf Jahren, schrieb er: «... so war ich doch im Innersten überzeugt, um nicht auf immer verloren zu sein, Bamberg so schnell als möglich verlassen zu müssen ...» In den «Fränkischen Merkur» ließ er eine Anzeige rücken, zwischen deren drei freundlichen Zeilen für jeden Eingeweihten nichts als Hohn und Spott, Sarkasmus und Verbitterung...
