Blühende Zukünfte

Tyrannenfeinde gestern, heute und morgen: In Meiningen belebt Martin Heckmanns die Biografie von Wolf Biermann, in Hannover wird «Hamlet» robotertauglich und in München George Orwells «1984» von Nora Abdel-Maksoud weitererzählt zu «Wokey Wokey»

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Im November 1989, gerade war die Mauer gefallen, war Wolf Biermann nicht nur froh. In einem Brief an Sarah Kirsch notiert er seine zwiespältigen Gefühle. Als zwangsausgebürgerter Staatsfeind der DDR sieht er den Sieg der Opposition und muss feststellen: «Denen geht’s prima, die brauchen mich nicht mehr.» Er sinniert über das «alte Elend der Exilierten: Er hofft, dass es zu Hause besser wird, aber wenn es besser wurde, hat er gar nichts mehr, nicht mal die alten treuen und liebgewordenen Feinde».

Und dann noch ein bisschen gekränkter: «Und er hat keinen Anteil am Sieg gegen die alten Unterdrücker.» Er schließt erkennbar beleidigt: «Meine ureigenste Sache wird da verhandelt, dachte ich, und ich selber darf nicht dabei sein.»

An den alten, treuen und liebgewordenen Feinden hatte sich Biermann in der DDR von 1953 bis ’76 mit Inbrunst abgearbeitet. Der Sohn eines jüdischen Kommunisten, der in Auschwitz ermordet wurde, überlebte als Sechsjähriger mit seiner Mutter knapp den Hamburger Feuersturm, übersiedelte freiwillig ins «bessere Deutschland» und landete dort nach einigen Zufällen am Berliner Ensemble als Regieassistent. Seine Zerrissenheit hat er inbrünstig gepflegt. Wie viele seiner ...

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Theater heute Mai 2026
Rubrik: Neue Stücke, Seite 28
von Franz Wille

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