In Nebel des Ungefragten
Man könnte es sich leicht machen und sagen: Theaterfilme gibt es doch eigentlich nicht. Denn entweder ist etwas live gespielt vor Publikum (egal ob physisch kopräsent oder über digitale Kanäle vermittelt), dann ist es theatral.
Oder es ist von Kameras eingefangen, konserviert und beliebig oft ausspielbar, dann ist es, nun ja, ein Film.
«Theaterfilme sind noch kein Genre, sondern eher eine Situation», sagt Jutta Wangemann, eine der Juror:innen des Theaterfilmfestivals am Ballhaus Ost bei unserem Gespräch.
Und diese Situation hat natürlich mit Corona zu tun – und mit der Output-Orientierung der Förderstrukturen. In der größtenteils projektbasierten freien Szene müssen Produktionsgelder gemäß fester Fristen der Fonds verausgabt werden. Und also fanden viele Projekte während der monatelangen Lockdowns der Theaterhäuser antragsbedingt nicht den Weg auf Bühnen, sondern eben ins digitale Bild. Als Filme, die genuin dem Theaterzusammenhang entstammen.
Viel Nahansicht, viel Innenraum
94 solcher Theaterfilme sind beim Open Call des Berliner Ballhaus Ost eingereicht worden, und eine Jury (um Dramaturgin Jutta Wangemann, Film- und Theatermacher Phil Collins sowie die beiden ...
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Theater heute August/September 2022
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christian Rakow
I
Adelheid Duvanel: Fern von hier
Ich lese gierig, mir tropfen die Seiten ölig aus dem Mund, die Worte, einstmals behutsam gesetzt, fallen durcheinander in den Rachen.
Da war/ist etwas groß, irrlichternd und doch zielstrebig. Da war/ist etwas wissend, malmend, doch suchend. Da saß ein Tier mit einem starken Kiefer und blickte seinen Lesenden entgegen, ein Tier mit...
Man vergisst oft, dass für viele Länder Osteuropas der Kommunismus eine Zeit der Moderne war», gab der deutsch-russische Kunsttheoretiker Boris Groys nach dem Abriss des Palastes der Republik im Jahr 2007 zu bedenken. «Man will den Kommunismus bekämpfen, aber de facto bekämpft man die Moderne und landet bei vormodernen kulturellen Haltungen.»
Treffender kann man...
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