Die Welt ist eine Wiese

Johann Wolfgang Goethe «Werther» im Residenztheater München

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Schon wieder Werther! In einer Zeit perpetuierter Außen-Katastrophen, die das subjektive Erleben dominieren, in der Corona, Klimawandel und der Krieg die Welt von überall her einschnüren und zum Schreckbild gerinnen lassen, scheint Goethes Explosion des Subjektivismus bis zur Selbstauslöschung so etwas wie das Gegenmodell der Stunde. Der ich-besoffene Ego-Shooter Werther, der so unrettbar in und um sich selbst kreist, ist aus dieser Sicht ein fast beneidenswertes Kind von einem anderen Stern, den es in seiner Intaktheit so längst nicht mehr gibt.

 

Vielleicht liegt darin ein Grund, warum nach Cosmea Spellekens fulminantem Echtzeit-Countdown via Social Media, Julien Gosselins Sturmund-Drang-Rekapitulation an der Volksbühne und zuletzt Ewelina Marciniaks und Jarosław Murawskis postmortalem Dekonstruktionsversuch am Deutschen Theater nun auch noch das Residenztheater München mit «Werther. Ein theatralischer Leichtsinn», inszeniert von der künftigen Hausregisseurin Elsa-Sophie Jach, an den Start geht. 

Diesmal ganz analog auf der großen Bühne als Beinahe-Solo mit weiblich-musikalischer Assistenz vor einem monumentalen Blumen-Prospekt. Werther erscheint dabei als androgynes Emo-Wesen ...

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Theater heute August/September 2022
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Silvia Stammen

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