In Konsens-Gewässern
Theaterbetriebe werden oft als Dampfer bezeichnet, und Intendanten sehen sich bekanntlich gern in der Rolle des Steuermanns. Wohl um diesem guten Gefühl auch mal auf der Bühne Ausdruck zu verleihen, hat sich Johan Simons zur Eröffnung seiner zweiten Spielzeit als Intendant der Münchner Kammerspiele Federico Fellinis Alterswerk «E la nave va» aus dem Jahr 1983 ausgesucht, eine elegische Farce über den bevorstehenden Untergang des alten Europa, die bei aller Kulissenhaftigkeit der Studioaufnahmen nicht gerade nach einer Bühnenadaption schreit.
Aber es gibt darin einen Chor der Heizer, die in der Tiefe des Schiffsbauchs Kohlen schaufeln, um die Maschinen in Gang zu halten, und den lässt Simons in München nun von Mitarbeitern seiner Kammerspiele aus allen Abteilungen verkörpern: 55 Theatermenschen, die sonst unsichtbar hinter den Kulissen wirken, dürfen endlich mal vors Publikum treten und – volle Kraft voraus! – Solidarität mit ihrem Unternehmen demonstrieren. Wenn das kein euphorischer Spielzeitauftakt ist! Sonst lassen sich anhand des Stoffs, wenn schon nicht gerade überraschende Erkenntnisse, so doch zumindest eine zeitlose Zustandsbeschreibung vom moralischen Schlingerkurs der ...
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Theater heute November 2011
Rubrik: AUFFÜHRUNGEN, Seite 25
von Silvia Stammen
Das muss sie schon selbst entscheiden, die Freie Szene. Anders als die Stadttheater ist sie in den letzten Jahren Teil eines internationalen Netzwerks und eines elaborierten
Kunstdiskurses geworden. Das bringt neue Vergleichsmöglichkeiten, Kriterien, Finanzierungsstrukturen, Herausforderungen mit sich. Eigene lokale Süppchen zu kochen,
das ist selten noch eine...
Als am 4. September in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt wurde, zeichnete sich schnell ab, dass sich die politischen Verhältnisse kaum verändern würden: Die erstarkte SPD unter Ministerpräsident Erwin Sellering und die geschrumpfte CDU arbeiten an einer Fortsetzung der Koalition. Allerdings galt schon vor der Wahl als sicher, das Kultusminister...
«Abendstunden in Demokratie» – so hieß der Titel eigentlich, der Titel der Neuausgabe von Heinz Berggruens Kolumnen aus der Nachkriegszeit. Es war ein Zitat aus einer Zeitungsanzeige, in der 1946 eine junge Büroangestellte entnazifizierungswilligen Herren Unterricht im Fach Demokratie (oder anderen, ähnlich promiskuitiven Praktiken) anbot. Durch Vertauschung der...
