Die Grenzen der Phantasmen
Reading and writing allows the possibility of having a very different world.
Angela Davis im Gespräch mit Toni Morrison über das Verbot bestimmter Bücher in Gefängnissen, etwa jener von Toni Morrison
1 Phantasmen der Anderen
Es ist erfreulich zu sehen, wie viele Namen, die nicht autochton deutsch oder weiß scheinen, Einzug in die deutschsprachige Literaturwelt halten.
Dass diese Namen auf Bestsellerlisten stehen und bei Preisvergaben genannt werden, lässt den Eindruck entstehen, nun sei die Literaturbranche also diversifiziert, die Bücherlandschaft bilde die um sie herum stattfindende Realität ab und die Deutungshoheit läge nicht mehr in der Hand der wenigen Protagonisten, die schon seit Jahrhunderten immer nur zu weißen Männern sprechen. Was aber sind die Bedingungen für die neuen Zuzügler*innen, in einen Raum einzutreten, der ihre Anwesenheit als ein Novum begreift?
Seit geraumer Zeit fällt mir auf, dass die Buchpremieren oder -vorstellungen bzw. die Lesungen einiger meiner Kolleginnen in ethnisch definierten Räumen stattfinden, ihre Verlage oder die Veranstalter bieten ihnen das, so höre ich, ohne weitere Erklärungen an. Wahrscheinlich meint man, es sorge beim Publikum für ...
Sasha Marianna Salzmann ist Dramatiker*in, Essayist*in, Kurator*in und war Hausautor*in am Maxim Gorki Theater Berlin. Salzmann ist Mit-Begründer*in des Kultur- und Gesellschaftsmagazins «freitext» und war künstlerische*r Leiter*in des STUDIO . Der mehrfach preiskrönte Debütroman «AUSSER SICH» wurde in 16 Sprachen übersetzt. Sasha Marianna Salzmanns Theaterstücke erscheinen im Verlag der Autoren und sind auch im Buchhandel erhältlich. Im September erscheint Salzmanns neuer Roman im Suhrkamp Verlag.
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2021
Rubrik: Essay, Seite 40
von Sasha Marianna Salzmann
Knetfiguren und Computeranimationen, Geisterblaskapellen auf Hauswänden, Zeichentrick und Papierfiguren und überhaupt Puppen, Puppen, Puppen …: Das diesjährige Brechtfestival #digitalbrecht hat aus der Not viele Künste und aus dem Mangel an Begegnungsmöglichkeiten eine Fülle von filmischen Formaten gemacht. Als sich im letzten November abzeichnete, dass mit der...
In der Sammlung «Heiner Müller – Warten auf der Gegenschräge – Gesammelte Gedichte» ist das Faksimile eines Gedichts mit einer Transkription des Textes publiziert. Die Verfasser dieses Sammelbands haben es bei der Transkription belassen, und das Gedicht wurde nie rekonstruiert.
Heiner Müller redigierte ständig seine Texte, einschließlich bereits veröffentlichter...
Das «andere» DDR-Theater – auf den Weg gebracht von Heiner Müller – hatte noch eine starke Kraft im Westen: Das war der Junge aus Sangerhausen, Einar Schleef, dem man 1975 am Berliner Ensemble seine und B.K Tragelehns «Fräulein Julie» verboten hatte. Seit zehn Jahren war er in West-Berlin. Sie waren zum Teil ausgefüllt mit der Niederschrift von «Gertrud» und...
