In den Ruinen
Manchmal programmieren Theater Stoffe passgenau zu politischen, gesellschaftlichen, historischen Schlüsselpunkten. Luk Perceval gelang so etwas vergangenen Januar am Hamburger Thalia Theater mit Hans Falladas «Wolf unter Wölfen»: Eine wütende Landbevölkerung rebellierte da gegen die demokratischen Regeln der Weimarer Republik, und parallel zur Premiere wurden Bauernproteste gegen die Ampelregierung von Rechtsextremen instrumentalisiert – eine politische Analogie, die nicht gewollt wirkte, sondern die die gesellschaftliche Relevanz des Theaters wie zufällig herausstellte.
Und dann gibt es Stücke, bei denen die Realität die Kunst zu überholen scheint. Jan Bosse eröffnet die Thalia-Saison mit T.C. Boyles Romanstoff «Blue Skies», und die Ökozid-Groteske wirkt ein wenig schal, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass der menschengemachte Klimawandel längst das von Boyle Beschriebene in den Schatten stellt. Am Premierentag von «Blue Skies» jedenfalls sorgt das durch die Klimaerwärmung aufgeheizte Mittelmeer für sintflutartige Regenfälle in Österreich, Tschechien und Polen, insgesamt kommen mehrere Menschen in den Fluten um, und wenn man im Vergleich sieht, mit welch bösem Grinsen Bosse ...
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Theater heute November 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Falk Schreiber
Siamo tutti antifascisti!» Der Jubel war groß am Abend des 7. Juli, als klar war: Das rechtspopulistische Rassemblement National hat die Parlamentswahlen in Frankreich wider Erwarten nicht gewonnen. In Avignon tanzten die Menschen vor dem Rathaus, applaudierten, skandierten Antifa-Parolen – die Erleichterung explodierte. Die Auftaktwoche des Theaterfestivals lag...
Wer die Hoffnung hegt, dass Frauen die besseren Menschen sind, insbesondere sich feministisch lesende, gut gebildete, diverse, postmigrantische, nachhaltig lebende, einander zugewandte Mittelschichtsfrauen im gerne auch besserverdienenden Hauptstadt-Umfeld, könnte enttäuscht werden. Das neue Stück von Golda Barton, einem Pseudonym aus dem Umfeld der Schauspielerin,...
Steht man vor dem Friedensgrenze e.V., fühlt man sich sofort in die Zeit vor 1989 versetzt. Das ehemalige Kulturhaus und Kino in Guben, direkt an der Oder, trägt stolz seine Patina des Umbruchs. Im Inneren befindet sich noch die alte Kinokasse, im Foyer verkauft der örtliche Trägerverein, der sich seit einigen Jahren um das Gebäude und seine kulturelle Bespielung...
