In den Ruinen
Manchmal programmieren Theater Stoffe passgenau zu politischen, gesellschaftlichen, historischen Schlüsselpunkten. Luk Perceval gelang so etwas vergangenen Januar am Hamburger Thalia Theater mit Hans Falladas «Wolf unter Wölfen»: Eine wütende Landbevölkerung rebellierte da gegen die demokratischen Regeln der Weimarer Republik, und parallel zur Premiere wurden Bauernproteste gegen die Ampelregierung von Rechtsextremen instrumentalisiert – eine politische Analogie, die nicht gewollt wirkte, sondern die die gesellschaftliche Relevanz des Theaters wie zufällig herausstellte.
Und dann gibt es Stücke, bei denen die Realität die Kunst zu überholen scheint. Jan Bosse eröffnet die Thalia-Saison mit T.C. Boyles Romanstoff «Blue Skies», und die Ökozid-Groteske wirkt ein wenig schal, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass der menschengemachte Klimawandel längst das von Boyle Beschriebene in den Schatten stellt. Am Premierentag von «Blue Skies» jedenfalls sorgt das durch die Klimaerwärmung aufgeheizte Mittelmeer für sintflutartige Regenfälle in Österreich, Tschechien und Polen, insgesamt kommen mehrere Menschen in den Fluten um, und wenn man im Vergleich sieht, mit welch bösem Grinsen Bosse ...
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Theater heute November 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Falk Schreiber
BERLIN, DAS KLEINE GROSZ MUSEUM
bis 25.11., Was sind das für Zeiten? – Grosz, Brecht & Piscator
Mit zahlreichen Leihgaben des Bertolt-Brecht-Archivs, der Kunstsammlung der Akademie der Künste, des Stadtmuseums Berlin sowie aus öffentlichen und privaten Sammlungen präsentiert die letzte Ausstellung des kleinen Grosz Museums die epochalen Werke, an denen Grosz,...
Das Geheimnis guter Science Fiction liegt in der richtigen Mischung aus sozialer und szenischer Fantasie. Kein Plot überzeugt ohne entsprechendes Design. Dabei kann auch ein Gesicht wie eine Landschaft wirken und die Oberfläche eines fernen Planeten ein intensives Gefühl vermitteln. Normalerweise arbeiten bei der virtuellen Gestaltung filmischer Set Designs ganze...
Ist es Zufall, dass diese Gliederpuppe entfernt an den alten Konrad Adenauer erinnert? Michael Pietsch, der Puppenspielerund -bauer, mit dem Jan-Christoph Gockel regelmäßig zusammenarbeitet, hat der Titelpuppe das Gesicht eines alten grauen Mannes verliehen, ein kahles Haupt mit großen Ohren, langer Oberlippe, Doppelkinn und schon tief gesunkenen Augen. Müde und...
