Improvisierte Identitäten
Wer ist Lucas? Diese Frage ist der rote Faden, der durch die sieben Szenen des Stücks führt – ohne jedoch jemals abschließend beantwortet zu werden. Lucas ist vor allem eine Leerstelle, die die Figuren beschwören und mit ihrer Sprache umkreisen, die sie aber nie füllen können.
Er personifiziert das Paradox einer gleichzeitigen Anwesenheit und Abwesenheit, welches das Theater als solches charakterisiert und das die Autorin auf das Leben selbst ausweitet: Für sie sind Identitäten nicht unveränderliche Wahrheiten, sondern Möglichkeiten, die sich in einem ständigen Prozess von Schaffen und Vergehen befinden. Dies korrespondiert mit dem aktuellen Erkenntnisstand zum Wesen der Erinnerung: Wir erzählen uns täglich selbst neu, jeweils nach den Anforderungen der aktuellen Situation.
Im Stück ist nicht nur die Identität des abwesenden Lucas bewusst offen gehalten, sondern auch die der beiden Frauen, denen wir auf der Bühne begegnen. In jeder Szene schlüpfen sie in die Haut verschiedener weiblicher Charaktere von ganz unterschiedlichem Alter und Disposition. Sie erzählen über ein Picknick mit Lucas, ihrem Geliebten, erinnern sich an Lucas, ihren kleinen Bruder, und wie er wie im Märchen von ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 175
von Jens Peters
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