«Hier stehe ich, ich kann nicht anders»

Was darf die Kunst? Milo Rau

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Es gibt diese Bemerkung von Furio Colombo aus Pasolinis letztem Interview: «Die Situation, die du ständig anprangerst, sie ist es letztlich, die dir erlaubt, Pasolini zu sein.» Man ist als Künstler auf den Widerstand angewiesen, an dem man sich reibt. Es ist unsere Aufgabe, die Grenzen der Kunst immer weiter auszudehnen: neue, noch unbekannte Akteure zu erfinden, utopische Räume zu öffnen, die Realität um das zu erweitern, was ihr fehlt, im Positiven wie im Negativen.

Es gibt kein Tribunal gegen globale Wirtschaftsverbrechen, also haben wir es mit dem «Kongo Tribunal» geschaffen – mitten im Bürgerkriegsgebiet. Wenn es dann zu Entführungen kommt, dann muss man das hinnehmen. In «Five Easy Pieces» dagegen geht es um eine Selbstbe­fragung des Theaters: Was geschieht, wenn wir Kinder dem Voyeurismus und der – sexualisierten – Gefühls- und Authentizitätsproduktion der Bühne auszusetzen? Wenn sich daraus eine Debatte über Nacktheit und Pädophilie entwickelt, muss man diese führen.

Die künstlerische Geste – und damit auch ihre potenzielle Grenzenlosigkeit – beruht auf zwei Legitimationen, die untereinander zusammenhängen. Denn was mir am postmodernen Aktivismus und an der Polit-Satire ...

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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 52
von Milo Rau

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