Von erschlichenen Unfreiheiten der Kunst
Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit.» So steht es in goldenen Lettern über dem Eingangsportal der Wiener Secession. Passanten, die diesen Spruch lesen, spüren jedoch im Rücken schon das Hauptquartier eines Glücksspielbetreibers und Kulturgroßsponsors, das sich an der gegenüberliegenden Seite der Wienzeile befindet. Es gibt wohl kaum einen anderen gesellschaftlichen Bereich, der die Frage nach der Freiheit so vehement und unermüdlich stellt wie die Kunst.
Immer wieder loten Künstlerinnen und Künstler den Rahmen des Erlaubten aus, übertreten Anstandsgrenzen, brechen die allgemeinen Regeln der Ordnung und zeigen damit auch die gesamtgesellschaftliche Verfasstheit des Freiheitsbegriffs auf. Die Kunst rührt die Verhältnisse immer wieder auf, was echauffierte Bürgerinnen und Bürger schon mal zu der Frage drängt: «Darf denn die Kunst das?» Dabei gilt, je unangenehmer die Wahrheit, die die Kunst zutage fördert, desto lauter die Klage. Einige Schritte von der Secession entfernt hatte Christoph Schlingensief seine «Ausländer raus!»-Container aufgestellt, die täglich für Tumulte auf dem Platz vor der Staatsoper sorgten. Eine ältere Dame in Rage hatte Schlingensief damals aus Mangel ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 92
von Ferdinand Schmalz
Manche Freiheiten sind für uns so selbstverständlich, dass wir kaum noch über sie nachdenken. Die Kunstfreiheit etwa sehen wir als selbstverständliche Grundlage unserer Arbeit – und nicht als Privileg, das nicht allen Menschen im gleichen Maße zuteil wird. Wir sollten dieses Privileg deshalb besonders schützen und nutzen. Denn mit jeder Freiheit geht auch...
Was darf die Kunst? Alles! Weil sie ein Privileg ist.
Freiheit braucht Kunst. In der deutschen Gesellschaft kommt Kunst unter anderem die Aufgabe zu, kritisch zu sein. Und Gesellschaftskritik soll in einem demokratischen Gemeinwesen gefahrlos möglich sein: Nach Artikel 5 des Grundgesetzes – «Eine Zensur findet nicht statt» – ist staatliche Vorzensur untersagt.
K...
Die Welt, wie wir sie kennen, wird eines Tages zugrunde gehen. Wir verdrängen das dauernd, sonst könnten wir keinen Tag überstehen. Aber wahrscheinlich faszinieren und verstören uns deshalb apokalyptische Szenarien so sehr: Endzeitparabeln tauchen in Theater, Literatur und Film in den letzten Krisenjahren häufiger auf, apokalyptische Reiter in unruhiger Zeit. Sie...
