Von erschlichenen Unfreiheiten der Kunst

Was darf die Kunst? Antworten von Ferdinand Schmalz

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Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit.» So steht es in goldenen Lettern über dem Eingangsportal der Wiener Seces­sion. Passanten, die diesen Spruch lesen, spüren jedoch im Rücken schon das Hauptquartier eines Glücksspielbetreibers und Kulturgroßsponsors, das sich an der gegenüberliegenden Seite der Wienzeile befindet. Es gibt wohl kaum einen anderen gesellschaftlichen Bereich, der die Frage nach der Freiheit so vehement und unermüdlich stellt wie die Kunst.

Immer wieder loten Künstlerinnen und Künstler den Rahmen des Erlaubten aus, übertreten Anstandsgrenzen, brechen die allgemeinen Regeln der Ordnung und zeigen damit auch die gesamtgesellschaftliche Verfasstheit des Freiheitsbegriffs auf. Die Kunst rührt die Verhältnisse immer wieder auf, was echauffierte Bürgerinnen und Bürger schon mal zu der Frage drängt: «Darf denn die Kunst das?» Dabei gilt, je unangenehmer die Wahrheit, die die Kunst zutage fördert, desto lauter die Klage. Einige Schritte von der Secession entfernt hatte Christoph Schlingensief seine «Ausländer raus!»-Container aufgestellt, die täglich für Tumulte auf dem Platz vor der Staatsoper sorgten. Eine ältere Dame in Rage hatte Schlingensief damals aus Mangel ...

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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 92
von Ferdinand Schmalz

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