Ein muslimischer Lear

Ayad Akhtar «The Who & The What»

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1892 kam in New York ein «Jiddischer Kenig Lir» auf die Bühne, ein Stück des ukra­inisch-russischen Migranten Jakob Gordin, der ein Jahr zuvor vor Pogromen in seiner Hei­mat nach Amerika geflohen war. «Kenig Lir» war sein drittes Stück – ca. 70 weitere sollten folgen – und begründete nicht nur seinen Ruhm als einer der erfolgreichsten Theaterautoren seiner Zeit, sondern leitete das Golden Age des jiddischen Theaters in New York ein. Gordin hatte Shakespeares Tra­gödie frei und realistisch adaptiert (wobei er sich schamlos bei Turgenevs «König Lear der Steppe» bediente).

Seine Hauptfigur heißt Dowidl Mojscheles und ist ein reicher, streng­gläubiger Kaufmann aus Vilnius. Seine Lieblingstochter Tajbele will gegen seinen Willen Medizin studieren, einen armen Lehrer heiraten und ihre Mitgift in ein Hospital investieren. Der unglückliche Dowidl Moj­scheles verstößt seine Tochter und wandert nach Israel aus. Er findet nicht das gelobte Land, sondern Faulpelze, Pharisäer und Schmarotzer und erblindet zu allem Überfluss an Grauem Star. 

Auch der 1970 in New York geborene Ayad Akhtar zeigt eine Vorliebe für shakespearesche Stoffe. Während hinter «Geächtet», seinem 2013 mit dem Pulitzerpreis ...

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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 158
von Christian Tschirner

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