Im Rahmen vermessen
Die Hörspiel-Version von Kehlmanns Romanerfolg war nur eine Frage der Zeit. Vor allem aber war sie eine Frage des Wie. Denn die Verzahnung des nach Amerika reisenden Weltforschers Humboldt mit dem Leben des Provinzprofessors Gauß bewirkt ihr erzählerisches Tempo durch ein raffiniertes Stilmittel. Der Autor balanciert zwischen indirekter Rede und Figurensprache, die in seine Prosa wie eingegossen wirkt und dabei auch für ironische Distanz sorgt.
Wie Gauß angewidert auf Friedrich Ludwig Jahns Buch von der Deutschen Turnkunst reagiert, das ihm der ungeliebte Sohn Eugen zeigt, ist ein gutes Beispiel für diese hocheffektive Technik: «Der Kerl sei von Sinnen, sagte Gauß, öffnete das Fenster und warf das Buch hinaus. Das sei seines gewesen, rief Eugen.»
Gut, das kann man in echte Dialoge zurückbrechen, könnte man meinen. Aber dann hat man Kehlmanns Buch schon zur Hälfte verraten, denn hier geht es nicht allein um Figuren und was sie sagen, sondern um eine ganz bestimmte Perspektive darauf. Die ist fürs Hörspiel gar nicht einfach umzusetzen. Alexander Schuhmacher (Buch und Regie) lässt in seiner dreistündigen Fassung zwar Traugott Buhre als Kant und Christoph Bantzer als Goethe auftreten, ...
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