Klinische Visionen, offene Spielwelten
In einer Kleinstadt an der ungarisch-rumänischen Grenze ein zweiwöchiges, international besetztes Shakespeare-Festival? Das braucht Wagemut. Die aus Ziegelsteinen im 15. Jahrhundert errichtete Burg von Gyula steht in der flachen Landschaft wie Roman Polanskis «Macbeth»-Schloss und beherbergt seit Jahrzehnten schon ein Theater.
Das Städtchen lockt mit seiner Thermalquelle kontinuierlich Publikum, und so kam der Intendant und Shakespeare-Enthusiast Jószef Gedeon vor drei Jahren auf die Idee, hochkarätige Produktionen mit Kurbad-kompatiblen Beilagen und einer Filmschau zu kombinieren. Mittlerweile gibt es für ihn ein europäisches Netzwerk von Shakespeare-Festivals – neben dem in Neuss gehören dazu entsprechende Veranstaltungen in Gdansk, im rumänischen Craiova und selbstverständlich in der Heimat des Dichters. Gyulas Burgtheater dürfte im Vergleich den malerischsten Spielort abgeben.
Weil es Gedeon nicht um Folklore im historischen Ambiente geht, werden einzelne Produktionen auch in weitaus schlichteren Räumen gezeigt. So Silviu Purcaretes «Maß für Maß» in einer wenig anheimelnden Turnhalle, was sich als konzeptueller Schachzug erwies. Denn mit dieser Inszenierung am ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Förderungsmöglichkeiten für Theaterautoren vervielfältigen sich. Immer mehr Theater schmücken sich mit Autorentheatertagen. Weitere Hochschulen bieten Studiengänge für Szenisches Schreiben an. Die institutionslosen Einzelgänger, ohne die das Theater doch nicht auskommen kann, sollen auch etwas vom öffentlichen Subventionsgeld erhalten. Das Ergebnis ist: mehr...
Eine Kleinfamilie aus dem süddeutschen Raum steht in der Pause vor dem Landestheater und hält einen kleinen Familienrat ab. Mama will heim, Papa mag noch bleiben, und die etwa 20-jährige Tochter im Salondirndl klagt über Langeweile. Da gibt ihr die Mutter einen Ratschlag, den man in Marmor meißeln und in allen Theaterfoyers anbringen sollte: «Man muss wirklich...
" Humor, wenn Es Dich wirklich gibt, bring mich in STIMMUNG." [Narr]
