Im Matriarchat
Philoktetes ist der größte griechische Kämpfer im Krieg um Troja, unbesiegbar und ausgestattet mit einem magischen Bogen. Allerdings leidet er nach einem Schlangenbiss unter einer eiternden und ekelhaft stinkenden Wunde, weswegen die Armee ihn aus Gründen der Kampfmoral auf einer Insel aussetzte. Dumm nur, dass damit auch das Schlachtenglück perdu ist, weswegen Odysseus und Neoptolemus den Verstoßenen zurückholen sollen. Worauf dieser nachvollziehbarerweise wenig Lust hat – und entsprechend mit einer List gelockt wird.
»Philoktet» ist mit eines von Sophokles’ spannendsten, hintergründigsten Dramen, von Heiner Müller 1965 als clowneske Allegorie auf Staatsraison und Solidarität überschrieben.
Die britische Autor:in, Spoken-Word-Künstler:in und Musiker:in Kae Tempest nimmt mit «Paradise» direkt Bezug auf Müller, dreht dessen politische Analyse allerdings ins Feministische. Wie auch bei Sophokles gibt es bei Tempest einen Chor aus Bewohnern der Insel – hier ausschließlich Frauen (die als hübscher Gendertrouble mehrheitlich männlich besetzt sind). Freilich sind sie nicht schon immer vor Ort, sondern in den Kriegswirren auf der Insel gestrandet, Flüchtlinge, Boatpeople – dieses ...
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Theater heute April 2025
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Falk Schreiber
Die Wirklichkeit nicht in Ruhe lassen», so lautete das anfängliche Motto der Münchner Kammerspiele unter der Intendantin Barbara Mundel (die auch die Geschichte ihres Hauses und die Schick -sale der vielen von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Mitarbeiter nicht ruhen lässt). Inzwischen jedoch überwiegt das Gefühl, dass die Wirklichkeit uns nicht in...
BERLIN, GEMÄLDEGALERIE
bis 22.6., Von Odessa nach Berlin Europäische Malerei des 16. bis 19. Jahrhunderts
Umfassende Sonderausstellung mit 60 Gemälden aus dem Museum für Westliche und Östliche Kunst in Odessa. Die Werke wurden vor dem Krieg in Sicherheit gebracht und treten in Berlin in Dialog mit Gemälden der Berliner Sammlungen.
BERLIN, GROPIUS BAU
ab 11.4., Yoko...
Das Theater ist ein utopischer Ort. Gelangen wir also mit dem Theater zu Utopien und finden einen Ausweg aus den Katastrophen?
Das Theater wird uns sicher nicht aus der aktuellen politischen Situation und der Pandemie der Krisen heraushelfen. Wir müssen mit den Schlachten, die auf den politischen Bühnen der letzten Monate stattgefunden haben, einem Rechtsruck,...
