Frauen am Rand der Übersinnlichkeit

Die 75. Berlinale aus theaterkritischer und deutschsprachiger Perspektive präsentiert vor allem weibliche Lebensentwürfe – und was sie bedroht

Theater heute - Logo

Auch, wenn es der Titel erst mal nicht vermuten lässt: In «Das Licht», Tom Tykwers Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale, lauert de facto die Apokalypse – und zwar direkt vor der Büro-Tür: Kein Tag, an dem Lars Eidinger als High Performer einer Werbeagentur, der seine Kampagnen gern mit den Abendbrottisch-O-Tönen seiner Fridays-for-Future-Tochter grünwäscht, für seinen Arbeitsweg nicht ins Regencape schlüpfen müsste – wobei «Regen» eben gar kein Ausdruck ist für den Sintflut-Appeal, der da auf seiner täglichen Radtour vom Panorama-Office zum Hochpreis-Home auf i

hn einprasselt. Dort angekommen, schlüpft er dann gleich an der Eingangstür nicht nur aus dem malerisch triefenden Cape wieder heraus, sondern entledigt sich bei dieser Gelegenheit auch sämtlicher anderer Klamotten – was den Filmkritiker der «Berliner Zeitung» zu der aparten Headline veranlasste: «Skandal bei Berlinale-Eröffnungsfilm: Lars Eidingers Glied sieht man erst nach 20 Minuten!»

Die Erkenntnis Nummer eins aus den 75. Internationalen Filmfestspielen – der ersten Ausgabe der US-amerikanischen Autorin, Dozentin, Journalistin und Programmmanagerin Tricia Tuttle, die zuvor das London Film Festival geleitet hatte – ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2025
Rubrik: Berlinale, Seite 36
von Christine Wahl

Weitere Beiträge
Welt am Anschlag

Kleiner Weltuntergang gefällig? Bitte sehr! Gerade nimmt ein netter Mega -sturm Kurs auf Westeuropa, der alles ratzekahl wegfegen wird bis unters Fundament, Mensch und Tier eingeschlossen. Soweit die Annahme in Theresia Walsers «Die Erwartung», die ausgewähltes Mittelstandspersonal beim letzten Packen und Flüchten ausführlich zu Wort kommen lässt.

Von oben nach...

Helvetisches Unbehagen

Ein irrationaler Amoklauf aus der Mitte der Gesellschaft heraus: «Graf Öderland», das Frisch als sein Lieblingsstück bezeichnet hat, vielleicht weil er darin dramaturgisch so frei von Zwängen ist wie in kaum einem anderen, ist zugleich sein unzugänglichster Bühnentext. Ein Staatsanwalt kann keinen Sinn mehr erkennen in dem, was er tut. Er bricht aus, lehnt sich...

Gott trinkt Bier

Etwa so haben sich Generationen von Kindern den «lieben Gott» vorgestellt – mit freundlichem Gesicht unter einer wirren, wilden Mähne aus weißem Haar, der schmale Körper unter einem weiten Umhang, der bis zum Boden reicht. So ähnlich kam Heinz Kreitzen herab gewandelt aus dem Globe-Theater, das Bühnen-Erfinder Bert Neumann in den Prater-Saal der Ostberliner...