Im Glücksknast
Die Idee kam dem Autor Thomas Melle schon vor 20 Jahren: eine Suizidklinik, die Depressiven und Todessehnsüchtigen ein paar letzte Simulationen des Glücks verschafft. Allerdings unterschreiben die Insassen, Klienten, Patienten – das ist gerade ihnen nicht immer klar – einen Kontrakt, dass sie nach ein paar Monaten dann auch abtreten müssen. Die Institution wird vom Staat finanziert, der sich so auf lange Sicht horrende Sozialleistungen spart, denn alle Glücksinternierten sind einigermaßen jung.
Was klingt wie eine nur leicht verfremdete Dystopie der Schweiz (hohes Glücksversprechen, Sterbehilfe für alle), war 2006 eine Stückentwicklung für das Theater Erlangen mit dem Titel «Haus zur Sonne». Genau so heißt nun auch der Roman von Thomas Melle, mit dem er zum vierten Mal im Rennen um den Deutschen Buchpreis und zum dritten Mal auf dessen Shortlist stand (gewonnen hat auch dieses Mal nicht Melle).
Mit dem im Probentrubel nachts mit Hilfe von Whiskey hochtourig geschriebenen Stück hat der tonal nun viel ruhigere Roman außer der Idee nur noch wenig zu tun. Man kann in dieser Klammer von Stoff und Zeit die Entwicklung des Autors sehen. Nebst vielen Theaterstücken, Überschreibungen und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Bücher, Seite 46
von Tobi Müller
Einen zitatfreudigeren Theaterkritiker als Andreas Wilink kennt die deutsche Theaterlandschaft nicht. Der langjährige Kritiker (auch dieser Zeitschrift), Mitbegründer und bis 2018 Leiter des NRW-Kulturmagazins kultur.west, lebt und schreibt in den Echoräumen von Literatur, Film und Theater. Das und vieles mehr hat er mit dem namenlosen Ich-Protagonisten seines...
Im Roman ist der Gärtner das Bindeglied. Als stummer Gestalter kümmert er sich unbeirrbar um Bäume, Beete und Bienen auf dem Grundstück am Scharmützelsee, egal ob der Kaiser, die Republik, die Nazis, der Sozialismus oder im wiedervereinigten Deutschland gewählte Parteien das Sagen haben. Auch im Schauspiel Hannover werkelt Kilian Ponerts Gärtner an Schilfbüscheln...
Viele Theatermenschen haben ein großes Herz für Fußball. David Bösch ist offenbar einer davon. Zur Eröffnung seiner zweiten Spielzeit als Linzer Schauspieldirektor hat der Regisseur die Stückentwicklung «Das Derby» angesetzt, «ein Stück Fußball in zwei Halbzeiten» (Untertitel). In der «Blackbox» (das ist eigentlich die Studiobühne des Musiktheaters) sind im Foyer...
