Österreichische Seelenabgründe

An der Wiener Burg adaptiert Therese Willstedt «Auslöschung» von Thomas Bernhard, Fritzi Wartenberg inszeniert Werner Schwabs «Volksvernichtung»

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Auslöschung und Vernichtung, Zerfall und Sinnlosigkeit. Wer einen allgemeinen Eindruck von den Klassikern österreichischer Dramatik im späten 20. Jahrhundert gewinnen möchte, muss sich nur der Spielplandramaturgie der Wiener Burg zuwenden. Im Abstand von zwei Oktobertagen hat man hier Premieren von Thomas Bernhards «Auslöschung. Ein Zerfall» und Werner Schwabs «Volksvernichtung oder Meine Leber ist sinnlos» programmiert.

Beide Texte wurden von jungen Regisseurinnen inszeniert, die in der vergangenen ersten Spielzeit unter Direktor Stefan Bachmann ihre Wien-Debüts präsentiert hatten.

Die Schwedin Willstedt hatte mit «Orlando» im Vorjahr das Akademietheater neu eröffnet: Motive und Handlung des genderfluiden Schelm: -innenromans von Virginia Woolf teilte sie auf acht Spieler:innen auf, die sich, körperlich nicht weniger präzise als sprachlich, durch die Textfassung arbeiteten. Bei «Auslöschung» im großen Haus machen die Regisseurin und ihr Team eigentlich nichts anderes – von der letzten Achterrunde sind Seán McDonagh und Andrea Wenzl übergeblieben. «Auslöschung. Ein Zerfall» erschien 1986. Der Roman ist als Bericht eines Privatlehrers namens Franz-Josef Murau gestaltet, der seinen ...

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Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Martin Thomas Pesl

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